Klimaschutzzeitung „KliMa" - Ausgabe 3/2001
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"Wärmeschutz konkret" für Handwerker und Hausbesitzer
Bei der Altbausanierung zuerst an den Wärmeschutz denken
Am Freitag, den 14. September, startete die Weiterbildungsreihe "Wärmeschutz konkret" mit einer Auftaktveranstaltung in den Räumen der Kreishandwerkerschaft in Bensheim. Die beiden Klimaschutzprojekte "Klimaschutz Region Hessisches Ried" und das "Drei-Städte-Klimaschutzprojekt Viernheim, Lampertheim, Lorsch" hatten gemeinsam zum Start der neuen Qualifizierungsreihe für die Altbausanierung eingeladen. Zum Aufttakt waren Handwerker aller Gewerke eingeladen. Nach einem Einführungsvortrag fuhren die Teilnehmer auf eine Dämm-Tour, wo sie vor Ort über Energieeinsparungen, Wirtschaftlichkeit und Details ausgewählter Projekte informieren konnten.
Mit der Weiterbildungsinitiative soll der Wärmeschutz zu einem zentralen Thema von Renovierungs- und Sanierungsmaßnahmen gemacht werden. Betont wurde die Bedeutung des Wärmeschutzes für das Bauhandwerk bei der Sicherung und Neuschaffung von Arbeitsplätzen.
Der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bergstraße, Walter Gruß, bekräftigte das Interesse der Handwerkerschaft an dem Schulungsangebot. "Das Handwerk", so Gruß, "stellt sich den notwendigen Anstrengungen in Sachen Wärmedämmung. Die Unterstützung der Aus- und Weiterbildung gehört zum zentralen Anliegen der Kreishandwerkerschaft."
Auch Jürgen Lehmberg, Erster Kreisbeigeordneter im Kreis Bergstraße, betonte die Chancen für die Handwerkerschaft. "Wärmeschutz konkret" stößt auf große Zustimmung und das macht uns zuversichtlich, dass wir am Ende der Veranstaltungsreihe gut ausgebildete Handwerksbetriebe im Bereich Wärmedämmung haben. Neben dem Klimaschutz", so Jürgen Lehmberg weiter, "versprechen wir uns von dem Projekt 500 Arbeitsplätze und Investitionen in Höhe von 30 Millionen Mark." Eine Einschätzung, die auch Rüdiger Schweer, Referatsleiter Umweltschutz im hessischen Umweltministerium teilt. Die hessische Handwerkerschaft soll, so das Anliegen der Landespolitik, nicht nur kompetenter Ansprechpartner für die Wärmedämmung von Gebäuden sein, sondern auch darauf hinwirken, dass solche Maßnahmen im Zuge aller Sanierungsarbeiten durchgeführt werden. "Man muss den richtigen Investitionszeitpunkt treffen." betonte Schweer. "Wir haben es mit einer Gemeinschaftsaufgabe Klimaschutz zu tun", so der Referatsleiter. Für die Stadt Viernheim wies Bürgermeister Matthias Baaß auf die Bedeutung der Kooperation unter den Kommunen hin. Die Brundtlandstadt Viernheim sei sich der Verantwortung für den Klimaschutz bewusst und bereit, die Erfahrungen bisheriger Projekte in die Kooperation der beteiligten Kommunen einzubringen.
Dass der langfristige Nutzen der Weiterbildungsinitiative außer Frage steht, davon konnten sich alle Teilnehmer überzeugen. "Eine integrierte Energie- und Wärmeschutzplanung bedeutet", so der Energieberater Hermann Obermeyer bei seinem Vortrag, "dass bei allen Aus- und Umbauprojekten der erste Gedanke dem Wärmeschutz gilt und die Planungen entsprechend ausgerichtet werden." Der Handwerker müsse dem Kunden als Ansprechpartner in allen Phasen der Planung und Durchführung zur Seite stehen und damit Vertrauen schaffen. Bei dem für viele Kunden unübersichtlichen Dschungel an gesetzlichen Vorgaben und Förderprogrammen ist eine kompetente Beratung wichtig. Anschließend müsse die Ausführung der Sanierungsarbeiten fachgerecht erfolgen, wobei verschiedene Handwerker ihre Arbeit abstimmen müssen. Der Energieberater erläuterte zahlreiche Schwierigkeiten, die immer wieder auftauchen. "Der Teufel steckt im Detail", machte Obermeyer anhand von mehreren Beispielen deutlich.
Nach dem Vortrag ging es mit dem Bus auf eine Dämmtour zu verschiedenen Sanierungsprojekten, die vom Brundtlandbüro für Klimaschutzmaßnahmen finanziell unterstützt wurden. Besucht wurde auch das preisgekrönte "Klimaschutzhaus des Jahres" der Familie Ober in Heppenheim. "Wir konnten unseren Heizölverbrauch nach einer umfangreichen Wärmedämmung halbieren und verbrauchen jetzt statt 3500 Litern nur noch 1800 Liter Heizöl im Jahr", erläuterte Norbert Ober.
Die Weiterbildungsreihe "Wärmeschutz konkret" liefert neben den Förderprogrammen der beiden Klimaschutzprojekte einen weiteren Baustein zu einem ganzheitlichen Energieeinsparkonzept. Die Einsparung schädlicher Treibhausgase ist dabei ein wichtiges, aber nicht das einzige Ziel. "Wärmeschutz konkret" dient der Sicherung und dem Ausbau von Arbeitsplätzen im Zukunftsmarkt Wärmeschutz.
Neben den Handwerkerschulungen finden auch Schulungen für interessierte Bürger statt. Dazu starteten am Samstag, den 22. September bereits interessierte Bürgerinnen und Bürger auf eine Besichtigungs-Tour zu Musterbaustellen. Weitere Veranstaltungen für Bürger werden zu folgenden Themen angeboten: "Altbausanierung planen - Angebote vergleichen" (23. Oktober), "Schimmelpilz - Vermeidung und Sanierung" (8. November) und "Energiediagnose und Gebäudethermographie" (27. November).
Für weitere Informationen und Anmeldungen wenden Sie sich bitte an das koordinierende IFOK-Institut unter Tel.: 06251 / 841680 (Montag - Freitag von 9.00 - 17.30 Uhr). Alle Informationen gibt es auch im Internet unter www.waermeschutz-konkret.de.
Interview mit Walter Gruß, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bergstraße
"Wir setzen auf qualifizierte Handwerksbetriebe für einen aktiven Klimaschutz"
Seit dem 14. September 2001 gibt es die Weiterbildungsreihe "Wärmeschutz konkret", die von den beiden Projekten "KlimaschutzRegion Hessisches Ried" und dem "Drei-Städte-Klimaschutzprojekt Viernheim, Lampertheim, Lorsch" initiiert wurde und die nun in Zusammenarbeit mit der Kreishandwerkerschaft Bergstraße (KHB) umgesetzt wird. Das Bensheimer Institut für Organisationskommunikation (IFOK) koordiniert die Seminarreihe. Walter Gruß, Geschäftsführer der KHB, gibt Auskunft über den Nutzen der Seminarreihe für das regionale Handwerk.
KliMa: Warum unterstützt die Kreishandwerkerschaft Bergstraße die Weiterbildungsreihe "Wärmeschutz konkret"?
Gruß: Während die Industrie in den letzten Jahren ihren Energieverbrauch gesenkt hat, blieb er in den privaten Haushalten etwa konstant. Den Menschen sind steigende Preise für ihre Heizkosten langsam zu teuer. Das Handwerk kann hier direkt helfen: Ob bei der Sanierung, der Kesselerneuerung oder bei Hinweisen zum Verbraucherverhalten.
KliMa: Wir hören immer wieder vom "Zukunftsmarkt Wärmeschutz". Was verspricht sich das Handwerk hier im Kreis von diesem Markt?
Gruß: Die Möglichkeiten und Chancen für alle Gewerke am Bau, von der wärmetechnischen Gebäudesanierung zu profitieren, sind keine hohlen Versprechungen. Im Gegenteil: Wir haben alleine hier im Kreis Bergstraße ein erhebliches Investitionsvolumen. Allerdings verschwinden Kreis- und Landesgrenzen zunehmend bei der Konkurrenz um jede Auftragsvergabe und es gibt immer mehr Akteure, die sich für diesen Markt interessieren. Unsere Betriebe müssen sich in diesem harten Wettbewerb weiterhin mit den besten Leistungen behaupten.
KliMa: Wie können die einzelnen Gewerke zu Energiereduzierungen im Haushalt beitragen und was wird davon in der Weiterbildungsreihe "Wärmeschutz konkret" vermittelt?
Gruß: In erster Linie legt das Handwerk - wie der Name sagt - direkt Hand an und sorgt für eine richtige Dach-, Wand- und Bodendämmung, eine kontrollierte Lüftung und effiziente Heizungstechnik. Das macht das Wohnen behaglich und reduziert für den Verbraucher die Heizkosten. Deswegen wird viel Wert auf die praktische Vermittlung von genauen Kenntnissen in diesem Bereich bei den Seminaren gelegt. Aber das ist nicht alles: Denn selbst eine perfekte Technik muss richtig bedient werden. Deshalb erhalten die Teilnehmer an den Seminaren praktische Kenntnisse und Informationen über Verbraucherverhalten, das Marketing einer Wärmedämmung und Energieberatung. Der Handwerker ist der erste Ansprechpartner für den Hausbesitzer bei allen Fragen des Wärmeschutzes.
KliMa: Wie profitiert der Handwerker durch Teilnahme an den Schulungen?
Gruß: Der große Vorteil dieser Schulungen und Seminare ist, dass sie überwiegend in der Praxis durchgeführt werden. Zum großen Teil finden sie in unserem Ausbildungszentrum für das Bauhandwerk auf dem Lehrbauhof statt. Durch eigenes Tun und das Einbringen der Kenntnisse der Referenten, die das Handwerk und die neuen Techniken kennen, ist eine spätere Umsetzen des Erlernten in die Praxis gegeben.
Pfusch am Bau vermeiden durch fachgerechte Ausführung
Der Spezialist im Brundtlandbüro, Andreas Winterkemper, gibt Tipps zur wärmetechnischen Sanierung
Der Entschluss ist gefasst: Ich möchte mein Haus mit einer Wärmedämmung warm einpacken und damit Energie sparen. Das nützt dem Klima und meinem Geldbeutel. Aber wie kann ich auf Nummer sicher gehen, dass die Arbeiten auch so ausgeführt werden, dass der gewünschte Spareffekt hinterher wirklich eintritt, oder dass sich die neue Wärmedämmung nicht nach zwei Jahren von den Wänden löst?
Der Spezialist vom Brundtlandbüro, Dipl.-Ing. Andreas Winterkemper, wird bei seinen Baustellenbesuchen immer wieder mit Fehlern bei der Bauausführung konfrontiert. KliMa hat ihn nach den häufigsten Mängeln befragt und danach, wie man sie vermeiden kann.
KliMa: Herr Winterkemper, was sind die häufigsten Probleme, mit denen Sie auf den Baustellen konfrontiert wurden?
Andreas Winterkemper: Erst einmal ist zu sagen, dass die meisten Handwerksbetriebe Ihr Fach beherrschen. Die Aufträge für die Wärmedämmung von Gebäuden haben allerdings in den letzten Jahren stark zugenommen, so dass sich viele Betriebe auf diesen Bereich umorientieren. Dabei können in Einzelfällen Mängel in der Ausführung entstehen, vor allem aber, wenn Arbeiten von Laien in Eigenleistung durchgeführt wurden.
KliMa: Was sind die häufigsten Fragen, die Ihnen gestellt wurden?
Andreas Winterkemper: Die wichtigste Frage betrifft ein Vorurteil, dass ich oft ausräumen muss: Das Märchen von den "atmenden Wänden," die vielleicht durch eine Dämmung nicht mehr atmen können. Nun, eine Wand kann Luft nicht atmen, sie ist ja kein Lebewesen. Dämmung schafft keine dichten Wände. Durch ein Mineralwolleverbundsystem wandert Wasserdampf genauso wie durch Luft. Styroporplatten sind nicht dampfbremsender als Holz. Grundsätzlich ist eine richtige Wohnungsbelüftung der entscheidende Faktor für ein gesundes Raumklima.
KliMa: Und wie lüftet man nun richtig?
Andreas Winterkemper: Mehrmals am Tag fünf bis zehn Minuten bei weit geöffneten Fenster lüften. Das ist besonders nach dem Einbau neuer Fenster sehr wichtig.
KliMa: Wie werden Fenster fachgerecht eingebaut?
Andreas Winterkemper: Durch einen Fensteraustausch mit energiesparenden Verglasungen und Rahmen sowie fugendichten Anschlüssen an die Wand. So werden Energieverluste verringert, der Wohnkomfort steigt und es wird auch der Schallschutz gegen Lärm von draußen optimiert. Wichtig ist auf jeden Fall, dass die Anschlussfuge zwischen Wand und Rahmen gut abgedichtet ist. Bei Kernsanierungen mit anschließender Wärmedämmung sollte darauf geachtet werden, dass die Heizkörper nicht unbedingt vor die neuen Fenster gesetzt werden.
KliMa: Gibt es im Bereich der Fenster weitere Schwachstellen?
Andreas Winterkemper: Ja, auch Rolladenkasten und vor allem die Fensterbänke sollten fugendicht gedämmt sein.
KliMa: Was sind die häufigsten Fehlerquellen bei Außenwand-Wärmedämmungen?
Andreas Winterkemper: Schäden können vielfältig entstehen. Was mir am häufigsten auffällt, ist, dass Fenster- und Türlaibungen nicht mit gedämmt werden. Hier entstehen dann Wärmebrücken.
Generell kann man sagen, dass in allen Phasen der Sanierung Fehler und in deren Folge Schäden auftreten können. Das beginnt mit einem schlecht behandelten Untergrund, auf dem der Kleber nicht hält und geht bis zum Deckputz, der bei zu niedrigen Temperaturen aufgebracht wurde. Dadurch können feinste Risse entstehen und der Putz verwittert sehr viel schneller als üblich. Auch bei allen anderen Arbeitsgängen können Pannen den gewünschten Dämmeffekt zunichte machen. Fehlende Dehnungsfugen führen dazu, dass der Putz im Sommer Risse bekommt. Wenn die Dübel nicht in der richtigen Anordnung angebracht werden, geben sie den Dämmplatten nicht den notwendigen Halt. Auch hierdurch können Risse im Putz die Folge sein. Bei sachgerechter Ausführung durch einen Handwerksbetrieb entstehen diese Schäden nicht. Häufiger finde ich sie bei Heimwerkern, die ihr Haus in Eigenleistung sanieren. Im schlimmsten Fall können durch eine unsachgemäße Ausführung Schimmelpilze entstehen.
KliMa: Schimmelpilze nach einer Wärmedämmung??
Andreas Winterkemper: Grundsätzlich können durch fachgerecht ausgeführte Wärmedämmungen keine Schimmelpilze entstehen. Ein praktisches Beispiel zur Erklärung: Sie holen eine kalte Flasche aus dem Kühlschrank und binnen kurzer Zeit schlägt sich an dieser Flasche Wasserdampf nieder. Bei kalten Wänden kann der gleiche Effekt auftreten, hier kann sich gerade in Ecken, Kanten oder Laibungen bei tiefen Außentemperaturen Kondenswasser bilden. Aus der warmen Raumluft schlägt sich an der ungedämmten, kalten Wand das Wasser nieder.
Durch eine Wärmedämmung erhöhen sich aber die Temperaturen an den Innenseiten der Wände. Hier kann sich also keine Feuchtigkeit niederschlagen. Problemzonen sollten unbedingt mitgedämmt werden.
KliMa: Existieren noch weitere Problemzonen bei einer Sanierung?
Andreas Winterkemper: Ja, wenn beispielsweise nicht alle Wände eines Hauses gedämmt sind, können die nicht gedämmten Wände zu Problemzonen werden. Oder wenn mit Sockelschienen gearbeitet wird, die die Dämmstoffe aufnehmen. Dann ist darauf zu achten, das der Dämmstoff noch einige Zentimeter über die Kellerdecke gezogen wird. Wird die Sockelschiene im Bereich dieser Betondecke gesetzt, entsteht beim Dübeln wiederum eine Wärmebrücke. Dies ist zu vermeiden. Mittlerweile existieren auf dem Markt Sockelsysteme, die ganz ohne Dübel arbeiten und somit das Entstehen von Wärmebrücken erschweren.
KliMa: Wie kann ein Bauherr kompetente Handwerksbetriebe erkennen?
Andreas Winterkemper: Er kann die Firmen, die er in die engere Wahl gezogen hat, nach Referenzobjekten fragen und versuchen, sich diese Häuser einmal von außen anzusehen. Betriebe, die bereits Erfahrung mit Wärmeverbundsystemen haben, werden ihren Kunden stets mehrere Varianten zur Auswahl anbieten und ihnen die Vorzüge der verschiedenen Vorschläge erläutern. Um in Zukunft noch mehr Qualität bei der Bauausführung in der KlimaschutzRegion zu erreichen, bieten wir ab September 2001 gemeinsam mit dem Drei-Städte-Klimaschutzprojekt und der Kreishandwerkerschaft Seminare für Handwerker und auch für Hausbesitzer an.
KliMa: Wenn der Bauherr einen Mangel feststellt, wie sollte er vorgehen? An wen kann er sich wenden, wenn er Unterstützung braucht?
Andreas Winterkemper: Wir vom Brundtlandbüro geben generell keine Empfehlungen zu ausführenden Handwerksbetrieben. Der Bauherr sollte sich vorher erkundigen, ob die Firma in der Handwerksrolle eingetragen ist. Wenn die Sanierung dann beginnt, die Arbeiten immer kontrollieren, Mängel sofort festhalten und beanstanden, das hilft später bei Streitigkeiten. Auftragsleistungen schriftlich in einzelnen Positionen festhalten. Fertigstellungstermine schriftlich vereinbaren. Im Streitfall kann die Schlichtungsstelle angerufen werden.
Wenn die Arbeiten, die vergeben werden sollen, umfangreich sind, sollte der Bauherr einen Architekten heranziehen, der dann die Bauaufsicht übernehmen kann. Sollten wirklich schwerwiegende Schäden nach einer Sanierung auftreten, muss auf jeden Fall ein Bausachverständiger eingeschaltet werden.
KliMa: Herr Winterkemper, vielen Dank für diese Informationen.
Kompetente Fachbetriebe - Qualität schafft Vertrauen beim Kunden
Malermeister Täubel: Weiterbildung im Bauhandwerk bietet Vorteile für Hausbesitzer und Handwerksbetriebe in der Region
"Wie finde ich den richtigen Handwerker, wenn ich mein Haus sanieren lassen will?" Diese Frage beschäftigt jeden Hausbesitzer, der vor einer größeren Renovierung steht. Die Geschäftsanzeigen unterscheiden sich eigentlich nur in der Aufmachung, die meisten Betriebe bieten die übliche Palette der Dienstleistungen wie Fassadenanstrich, Außenputz bis hin zum Wärmedämmverbundsystem an.
Der Bensheimer Malermeister Hansjörg Täubel sieht in dem Kundenwunsch nach neutralen Qualitätsmerkmalen eine Chance für mittelständische Betriebe. "Wenn wir dafür sorgen, dass unsere Mitarbeiter von einer unabhängigen und als kompetent anerkannten Institution auf den neusten Stand der Technik gebracht werden, dann schafft das Vertrauen. Die Kunden sehen dann, dass unsere Arbeit ihr Geld wert sein wird."
Der 34jährige Täubel weiß, wovon er spricht. In seiner Firma arbeitet er zusammen mit zehn Mitarbeitern. Schon als Schüler war er mit seinem Vater auf Baustellen unterwegs. Die erste Fassadendämmung verlegten sie vor über 20 Jahren, ganze vier Zentimeter dick. "Darüber lacht man heute, aber das war der Anfang", erklärt Täubel. "Damals war Wärmedämmung eher eine seltene Aufgabe für einen Maler und Lackierer. Heute ist es der Umsatzschwerpunkt." In den vergangenen 15 Jahren hat sich das Auftragsvolumen für die Wärmedämmung verdreifacht und macht mittlerweile rund 40 Prozent des Umsatzes aus. "Wärmedämmung ist der Hauptwachstumsfaktor in unserem Betrieb. Allein in diesem Jahr konnten wir zwei neue Mitarbeiter einstellen, einen Auszubildenden und einen Gesellen", freut sich der Malermeister. Auch dekorative Gestaltungstechniken für Innenräume sind im Aufschwung. "Es macht mir besonders viel Spaß, gemeinsam mit dem Kunden zu erarbeiten, welche Technik für seine Wohnung am wirkungsvollsten ist", so Täubel.
Mit dem Wandel der Auftragslage kamen auch neue Arbeiten in das Berufsbild des Malers und Lackierers. Wer Wärmedämmverbundsysteme anbietet, der muss auch eine Fensterbank einsetzen können. Insbesondere die Anschlussdetails sind dabei eine kniffelige Sache. Zum einen ist die zeitliche Abstimmung der einzelnen Gewerke wichtig. Die Fensterbank muss in Breite und Ausladung auf die Dämmung abgestimmt werden. Die einzelnen Arbeiten müssen sehr sorgfältig ausgeführt werden, damit keine Wärmebrücken oder Wasserfallen entstehen. Nach Auffassung Täubels ist das zwar eine Herausforderung, aber sie ist zu bewältigen. "Das ist kniffelig, aber kein Hexenwerk. Man kann das alles lernen, deshalb begrüßen wir auch das neue Weiterbildungsangbeot der beiden Klimaschutzprojekte im Kreis."
Die Qualität der Lehrlingsausbildung ist Täubel eine Herzenssache. Er ist Lehrlingswart der Maler- und Lackierer-Innung und hat einen Lehrauftrag an der Meisterschule in Darmstadt. Ihn reizt die Arbeit mit jungen, motivierten Menschen. Er kennt die Prüfungsanforderungen für die Auszubildenden und die zukünftigen Meister ebenso gut wie den Alltag auf der Baustelle. "Natürlich kann da immer etwas verbessert werden. Gerade kleinere Betriebe können den Auszubildenden oft nicht die ganze Bandbreite des Berufsbildes bieten. Aber ich sehe auch, dass gerade die kleinen Betriebe nur eine Überlebenschance haben, wenn ihre Mitarbeiter gut ausgebildet sind", gibt er zu bedenken.
Die betriebsinternen Schulungen werden in der Regel von den Herstellern angeboten, von denen die Handwerker ihr Material beziehen. Das macht gerade kleinere Betriebe abhängig von diesen Herstellern. Für Täubel ist deshalb die Weiterbbildungsoffensive des Brundtlandbüros ein willkommenes Angebot. Wenn mehrere Betriebe die Fortbildung ihrer Mitarbeiter an einen unabhängigen Bildungsträger delegieren würden, könnten seiner Ansicht nach sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen werden: Die Betriebe wären entlastet und die Fortbildung wäre herstellerunabhängig. Firmen, die ihre Mitarbeiter von einer unabhängigen, allgemein als kompetent anerkannten Einrichtung fortbilden lassen, könnten damit werben. Das wäre ein eindeutiges Unterscheidungsmerkmal für den Kunden. Der Handwerksmeister Täubel ist überzeugt: "Wer in die Arbeit des Brundtlandbüros Vertrauen hat, der vertraut auch Firmen, die ihre Mitarbeiter vom Brundtlandbüro fortbilden lassen. Deshalb ist das Weiterbildungsangebot des Brundtlandbüros eine prima Sache für die Handwerksbetriebe im Kreis Bergstraße."
Hansjörg Täubel ist Maler- und Lackierermeister. Seine Firma sitzt in Bensheim. Er ist Lehrlingswart der Maler- und Lackiererinnung sowie Delegierter seiner Innung bei der Kreishandwerkerschaft Bergstraße. Außerdem hat er einen Lehrauftrag an der Meisterschule in Darmstadt.
Günstige Kredite vom Staat für Gebäudesanierung
Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gewährt Kredite für den nachträglichen Wärmeschutz
Mit Krediten, die deutlich unter dem aktuellen Zinsniveau liegen, können Hauseigentümer ihren Altbau auf den Standard eines Niedrigenergiehauses bringen. In den Genuss dieser Kredite kommen auch Hausbesitzer, die über das Programm des Brundtlandbüros gefördert werden. Sogar der Neubau von Passivhäusern, die keine Heizung brauchen, kann damit finanziert werden. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zahlt die Darlehen über die Hausbanken aus. Zur Zeit gibt es zwei attraktive Förderprogramme, die ein Teil des Klimaschutzprogrammes der Bundesregierung sind. Der besondere Vorteil der KfW-Kredite ist, dass sie mit anderen Förderprogrammen kombiniert werden können und dass bis zu 100 Prozent der Investitionssumme durch sie finanzierbar ist.
Das Klima schützen wollen ist die eine Sache - das nötige Kleingeld für Investitionen zusammenbringen eine andere. Und wenn ein altes Haus zum Energiesparhaus gemacht werden soll, muss der Hausbesitzer zunächst tief in die Tasche greifen, bevor sich die deutlich niedrigeren Energiekosten bemerkbar machen.
Der Staat unterstützt Hausbesitzer und solche, die es werden wollen, mit zwei Förderprogrammen, dem CO2Minderungsprogramm und dem CO2-Gebäudesanierungsprogramm.
Das CO2-Minderungsprogramm richtet sich insbesondere an Hausbesitzer, die mit Einzelmaßnahmen ihre Heizkosten senken wollen. Gefördert werden unter anderem die Wärmedämmung von Gebäuden und der Einbau von Niedertemperatur- oder Brennwertkesseln. Auch wer erneuerbare Energien in sein Haus bringen will, kann beispielsweise Solarkollektoren oder Wärmepumpen mit Hilfe des KfW-Kredits finanzieren. Darüberhinaus fördert das CO2-Minderungsprogramm auch den Neubau von Passivhäusern. Der aktuelle Zinssatz des Programms liegt bei 4,65 Prozent.
Das CO2-Gebäudesanierungsprogramm ist speziell auf Eigentümer von Altbauten ausgelegt, die ihr Haus umfangreich sanieren und auf den Standard eines Niedrigenergiehauses bringen wollen. Es muss ein Einspareffekt von mindestens 40 Kilogramm Kohlendioxid (CO2) pro Jahr erreicht werden. Das ist nur möglich mit Maßnahmepaketen, wenn zum Beispiel die Heizung erneuert und gleichzeitig das Haus neu isoliert wird. Die KfW gewährt dafür einen besonders günstigen Zinssatz von derzeit 3,55 Prozent.
Für Hausbesitzer ist der Weg zum Geld denkbar einfach. Sie gehen zu ihrer Hausbank und lassen sich von ihrem Baufinanzierungsberater das passende Förderprogramm aus der Förderdatenbank ermitteln. Der Berater leitet ihren Antrag an die KfW weiter. Erst kürzlich hat die Verbraucherberatung Nordrhein-Westfahlen die mangelhafte Beratung von Kreditinstituten bezüglich der KfW-Kredite beanstandet, da aktuelle Änderungen häufig nicht sofort in den Fördermitteldatenbanken der Kreditinstitute abrufbar sind. Nach Auskunft der Volksbank Bergstraße sind aber gerade Privatkunden meist sehr gut informiert und fragen nach.
Auch die Mitarbeiter vom Brundtlandbüro und vom Solar- und Energieberatungszentrum Bergstraße (SEBZ) sind in punkto Fördermittel für Energiesparmaßnahmen immer auf dem neuesten Stand und helfen gerne weiter.
Ist ein Antrag für einen KfW-Kredit gestellt, dauert es vier bis acht Wochen, bis das Geld von der KfW überwiesen wird. Bei Standardinvestitionen, die genau den Maßnahmepaketen der Richtlinie entsprechen, kann es auch schneller gehen.
Die aktuellen Zinssätze und Zahlungsbedingungen sind im Internet unter www.kfw.de abrufbar. Wer sich informieren möchte, ob sich bei seinem Haus eine wärmetechnische Sanierung rechnet, kann sich im SEBZ kostenlos einen Energiepass für sein Haus erstellen lassen oder sich im Internet unter www.co2online.de nähere Informationen besorgen.
Solarstrom in Hessen
Umweltministerium fördert auch 2001 erfolgreich Fotovoltaikanlagen
Das Hessische Umweltministerium fördert auch in diesem Jahr Anlagen, die unter Nutzung der Fotovoltaik Strom erzeugen. Die Landesförderung berücksichtigt dabei in erster Linie diejenigen Antragsteller, für die das "100 000 Dächer-Solarstrom-Programm" des Bundes nicht in Frage kommt. Damit ist in Hessen eine flächendeckende Förderung dieser Zukunftstechnologie möglich.
Bereits in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres wurden 33 Anlagen mit einer Gesamtleistung von mehr als 80 kWp (Kilowatt peak) mit insgesamt 267 300 Mark bezuschusst. Damit wurden 865 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 2 530 kWp seit Anfang der 90er Jahre bis zur Jahresmitte 2001 mit einer Landesförderung von über 19 Millionen Mark realisiert. Antragsberechtigten im öffentlichen Bereich kann eine Zuwendung in Höhe von bis zu 30 Prozent der förderfähigen Ausgaben gewährt werden, jedoch nicht mehr als 20 000 Mark pro Anlage. Die förderfähigen Ausgaben für Fotovoltaikanlagen sind auf 15 000 Mark pro kWp inklusive Mehrwertsteuer begrenzt.
Zum Hintergrund: Fotovoltaikanlagen nutzen die im Sonnenlicht vorhandene Energie zur Erzeugung von elektrischem Strom. Die Technik besitzt insbesondere unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit noch erhebliche Entwicklungspotenziale. Auch für den Klimaschutz wird künftig die Nutzung dieser und anderer regenerativer Energien eine zunehmende Rolle spielen.
Für alle, die mehr über Fotovoltaikanlagen wissen wollen, hat die Technische Überwachung Hessen im Auftrag des Umweltministeriums die Broschüre "Fotovoltaikanlagen: Technische Anforderungen, Planungs- und Installationshinweise" erstellt, die im vergangenen Jahre überarbeitet und aktualisiert worden ist. Sie kann angefordert werden beim Hessischen Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Forsten, Referat V13, Mainzer Straße 80, 65189 Wiesbaden und ist im Internet einzusehen unter: www.hmulf.hessen.de/umwelt/atomaufsicht
Nicht verhandeln sondern profitieren!
Brundtlandbüro nimmt Stellung zu den Ergebnissen des Klimagipfels in Bonn
Nicht lange verhandeln, - sondern selbst aktiv werden für den Klimaschutz und die wirtschaftlichen Vorteile nutzen. Mit diesem Ziel hat der Kreis Bergstraße im August 1999 das Projekt „KlimaschutzRegion Hessisches Ried" gestartet. Durch seine Vorreiterrolle konnte der Kreis für das Modellprojekt finanzielle Unterstützung von 3,7 Millionen Mark von der hessischen Landesregierung einwerben.
Die Erfolge der internationalen Verhandlungen zum Klimaschutz bewegen sich dagegen nur im Schneckentempo. Der auf dem Bonner Klimagipfel erzielte Kompromiss für das Kyoto-Protokoll enthält so viele Schlupflöcher, dass er nur minimal zu einer Verminderung des Kohlendioxid-Ausstoßes beitragen wird. Das Kyoto-Protokoll steuert mit vielen Rechentricks, beispielsweise durch die Anerkennung von Wäldern als Kohlendioxid-Speicher und dem Handel mit „Heißer Luft" eine Minderung des Treibhausgases von 5,2 Prozent bis zum Jahr 2012 an. Wissenschaftler fordern dagegen eine Verminderung um 60 bis 80 Prozent bis zum Jahr 2050, um die Folgen des Klimawandels und deren Folgekosten durch Deichbauten, Sturmschäden, Hochwasserkatastrophen und Wassermangel in Land- und Forstwirtschaft noch abwenden zu können. Es steht also noch ein weiter Weg bevor.
In der KlimaschutzRegion Hessisches Ried ist man auf regionaler Ebene schon einen großen Schritt weiter. Vor der Erkenntnis, dass sich viele Maßnahmen zur Energieeinsparung auch finanziell rechnen und Arbeitsplätze schaffen, wirbt das Brundtlandbüro für Klimaschutzmaßnahmen des Kreises Bergstraße für die Wärmedämmung von Gebäuden und einen geringeren Stromverbrauch. Ein Gutachten unabhängiger Wissenschaftler ermittelte wirtschaftlich lohnenswerte Maßnahmen, mit denen der Kohlendioxid-Ausstoß in der KlimaschutzRegion um 30 bis 40 Prozent gesenkt werden. Von solchen Minderungsraten konnten die Politiker beim Klimagipfel nur träumen.
Heiße Luft, Senken und Flexmechs
Auf dem Bonner Klimagipfel im Juli diesen Jahres wurde das Klimaschutzprotokoll von Kyoto mit einigen Einschränkungen anerkannt. Im Kyoto-Protokoll von 1997 haben sich die Industrieländer verpflichtet, den Ausstoß der wichtigsten Treibhausgase bis zum Zeitraum 2008 bis 2012 um 5,2 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren. Was einfach klingt, ist im Detail höchst kompliziert, da das Protokoll viele Verrechnungsmöglichkeiten und Sonderregelungen enthält. KliMa erläutert die wichtigsten Begriffe:
Flexible Mechanismen: Das Protokoll räumt den Vertragsstaaten bei der Umsetzung ihrer Reduktionsziele Spielräume ein, die sich vor allem aus den Instrumenten Emissionshandel, Joint Implementation (gemeinsame Umsetzung) und Clean Development Mechanism (Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung) ergeben. Grundgedanke ist jeweils, dass die Industrieländer ihre Reduktionsverpflichtungen teilweise auch im Ausland erbringen können. Beim Joint Implementation geht es um Projekte in anderen Industriestaaten, bei dem Clean Development Mechanism um Projekte in Entwicklungsländern.
Emissionshandel: Auch darüber hinaus müssen die Staaten ihre Zusagen nicht unbedingt selbst erfüllen. Sie können anderen Industrieländern Anrechte auf den Ausstoß von Treibhausgasen abkaufen. Problematisch daran ist, dass sich reiche Staaten auf diese Weise vollständig von ihren Verpflichtungen freikaufen könnten. Zudem funktioniert das System nur dann, wenn die Emissionsrechte auch tatsächlich knapp sind. Dies führt zum Phänomen des "Handels mit heißer Luft".
Handel mit „heißer Luft": In Kyoto wurde osteuropäischen Staaten, allen voran Russland und die Ukraine, ein deutlich höherer Schadstoffausstoß zugebilligt, als sie in absehbarer Zeit benötigen. Hintergrund ist, dass sich die Emissionen nach Zusammenbruch der Sowjetindustrie nach 1990 drastisch verringerten. Klimaschützer verlangen, den Emissionshandel zu begrenzen, da sonst Anrechte auch für solche Emissionen verkauft würden, die ohne den Handel gar nicht entstehen würden. Der Schadstoffausstoß würde also steigen.
Kohlendioxid-Senken: Heftig umstritten ist auch die Berücksichtigung sogenannter CO2-Senken. Sie entstehen durch Öko-Systeme, die der Atmosphäre CO2 entziehen. Ländern mit großen Waldgebieten wird zugute gehalten, dass sie dadurch insgesamt weniger CO2 ausstoßen. Davon würden besonders Flächenstaaten wie die USA, Kanada und Russland profitieren. Allerdings nehmen Bäume das CO2 nur während der Wachstumsphase auf und geben es nach dem Absterben während der Verrottung wieder frei. Selbst zusätzliche Senken durch Aufforstung bewirken daher nur eine vorübergehende Abnahme der Treibhausgase.
Alte Heizkessel müssen bis 2004 erneuert werden
Gesetzgeber schreibt niederige Abgaswerte für Heizungsanlagen vor - rechtzeitige Sanierung lohnt sich
Wer im Jahr 2004 aufgrund der gesetzlichen Vorgaben seinen Kessel erneuern muss, sollte damit rechnen, dass er auf überlastete Heizungsbauer stößt und aufgrund der hohen Nachfrage eventuell mehr als derzeit für einen Kesselaustausch bezahlen muss. Grund hierfür ist, dass bis zum Jahr 2004 alle Kessel, deren Abgasverluste über den vorgegebenen Grenzwerten liegen, erneuert sein müssen. Der Abgasverlust gibt an, wie viel Prozent des Brennstoffes ungenutzt durch den Schornstein verloren gehen. Ab 2004 müssen alle Kessel strengere Abgasgrenzwerte einhalten.
Wärmeleistung der Kessel in Kilowatt (kW)
Grenzwerte für Abgasverluste ab 2004 in Prozent (%)
4 bis 25 kW 11 %
über 25 bis 50 kW 10 %
über 50 kW 9 %
Soviel Wärme darf maximal durch den Schornstein gehen
Ob Sie Ihren Kessel erneuern müssen, können Sie Ihrem Schornsteinfegerprotokoll entnehmen. Aber auch wenn Sie Ihren Kessel nicht erneuern müssen, lohnt es sich, über einen Kesselaustausch nachzudenken, wenn Ihr Kessel älter als 20 Jahre oder kein Niedertemperaturkessel ist. Alte Kessel verlieren die teuer bezahlte Energie nicht nur über das Abgas, sondern in noch höherem Maße über die Kesseloberfläche. Erkennbar ist dies an tropisch warmen Temperaturen im Heizungsraum.
Die Oberflächenverluste sind bei alten Heizkesseln meist mehr als doppelt so hoch wie die Abgasverluste. Beide Verluste zusammen bewirken, dass nahezu ein Drittel der teuren Brennstoffenergie verloren geht. Wer die Wärmeverluste im Heizraum wenigstens zum Wäschetrocknen nutzen will, riskiert, dass die Wäscheflusen den Brenner verstopfen. Schuld an den hohen Oberflächenverlusten alter Kessel ist deren schlechte Dämmung in Verbindung mit einer permanent hohen Kesseltemperatur. Die durchgängig hohe Kesseltemperatur ist zur Vermeidung von Korrosionsschäden durch Feuchtigkeitsniederschlag erforderlich.
Wird in einen Altkessel ein neuer Brenner eingebaut, vermindern sich bestenfalls die Abgasverluste um wenige Prozentpunkte, die hohen Oberflächenverluste von 10 Prozent bis 20 Prozent bleiben aber bestehen. Sie sollten daher nicht nur den Brenner, sondern immer den gesamten Kessel austauschen, um eine spürbare Einsparung zu erzielen. Zur Wahl stehen mit Öl oder Gas betriebene Niedertemperatur- und Brennwertkessel sowie automatisch arbeitende Holz-Pelletkessel. Der Ausdruck Niedertemperaturkessel bedeutet nicht, dass diese Kessel das Heizungswasser nicht so hoch erwärmen wie die alten Kessel. Auch Niedertemperaturkessel erreichen Vorlauftemperaturen bis zu 75 Grad. Gemeint ist vielmehr, dass diese Kessel bei warmem Wetter mit niedrigen Temperaturen gefahren werden können. Eine niedrigere Kesseltemperatur bedeutet weniger Verluste und damit einen geringeren Brennstoffverbrauch. Brennwertkessel sind noch sparsamer als Niedertemperaturkessel. Brennwertkessel, die jetzt auch zunehmend mehr für Öl angeboten werden, repräsentieren den fortgeschrittensten Stand der Kesseltechnik. Sie nutzen den Brennstoff bis an die Grenze des physikalisch möglichen aus. Auch zukünftige Kessel werden daher keine wesentlich besseren Wirkungsgrade erzielen. Ein Gas-Brennwertkessel verbraucht bis zu 10 Prozent weniger Brennstoff als ein Niedertemperaturkessel. Wer mit Erdgas oder Flüssiggas heizt, sollte daher auf jeden Fall den Kauf eines Brennwertkessels in Erwägung ziehen. Dies gilt auch bei einem Einsatz in Altbauten ohne Fußbodenheizung.
Ein neuer Kessel macht sich auch für den Geldbeutel bezahlt. Wenn Sie einen alten Konstanttemperaturkessel durch einen Niedertemperaturkessel ersetzen, können Sie mit einer Brennstoffeinsparung zwischen 15 Prozent und 30 Prozent rechnen. Sehr hohe Einsparungen ergeben sich, wenn der alte Kessel zu groß war und wegen der Warmwasserbereitung ganzjährig in Betrieb gehalten werden musste. Bei Brennstoffpreisen von 75 Pfennig bis 1 Mark pro Liter Heizöl spart ein neuer Kessel somit erhebliche Summen. Gleichzeitig wird die Umwelt entlastet. Der Schadstoffausstoß verringest sich nämlich noch wesentlich stärker als der Verbrauch, da neue Brenner deutlich weniger Schadstoffe erzeugen.
Holz-Pelletkessel sind in der Anschaffung teurer als Öl- oder Gaskessel, werden dafür aber mit 100 Mark pro Kilowatt Kesselleistung staatlich gefördert und dürften in Anbetracht der zukünftig zu erwartenden Öl- und Gaspreissteigerungen langfristig am kostengünstigsten arbeiten.
Unsere Empfehlung: Erneuern Sie Ihren Altkessel sobald als möglich. Je früher Sie einen neuen Kessel einbauen, desto schneller kommen Sie in den Genuss der Brennstoffeinsparung. Außerdem entlasten Sie die Umwelt und brauchen 2004 nicht nach einem Heizungsbauer mit freien Kapazitäten zu suchen.
Nähere Informationen zur Heizungsmodernisierung und zu anderen Fragen rund um das Thema Energie erhalten Sie kostenlos beim Energieberatungszentrum Bergstraße in Heppenheim. Tel.: 06252 / 913460, email: sebz-bergstrasse@t-online.de.
Pelletheizungssysteme im Überblick
Umweltfreundliche Holzpellet-Heizungen gibt es für jeden Anwendungszweck. Hier ein Überblick über die verschiedenen Pelletheizsysteme:
Einzelöfen: Pellet-Einzelöfen können bis zu 90 Stunden mit einer Füllung auskommen. Es gibt sie als frei stehende Kaminöfen oder als Ofeneinsatz für bestehende Kamin- oder Kachelöfen. Hat man die Pellets in den Vorratsbehälter eingefüllt, löst man die Zündung einfach über einen Knopf aus. Ein Thermostat übernimmt die Temperaturregelung. Über eine Zeitschaltuhr kann man Temperaturabsenkungen steuern. Ein Einzelofen macht Sinn als Zusatzheizung, in Passiv- oder Niedrigenergiehäusern oder zum Beheizen von Nebenräumen wie zum Beispiel einer Werkstatt.
Primäröfen: Sie stehen ebenfalls im Wohnraum. Einen Teil der Wärme gibt der Ofen als Strahlungswärme an seine Umgebung ab. Der Rest gelangt über einen Wärmetauscher in das Zentralheizungsnetz und kann damit auch weiter entfernte Räume sowie das Brauchwasser aufheizen. Die Pellets müssen je nach Verbrauch alle paar Tage bei niedrigen Außentemperaturen täglich von Hand nachgefüllt werden. Ein Primärofen reicht aus, um Niedrigenergiehäuser bis zu einer Heizlast von 10 kW zu beheizen. Hier ist eine Warmwasserbereitung durch eine Solaranlage ein Muss, da man sonst auch im Sommer den Wohnraum mitheizen müsste.
Zentralheizungsanlage: Das System arbeitet wie eine Ölheizung. Der Heizkessel steht im Keller oder in einem Nebenraum. Die erzeugte Energie erwärmt über ein Zentralheizungsnetz die Räume und das Brauchwasser. Die gesamte Steuerung erfolgt automatisch. Ein Silowagen füllt in der Regel einen Jahresvorrat in das Pelletlager. Die Pellets werden entweder mit einer Förderschnecke oder einer Saugvorrichtung vom Brennstofflager zum Brenner transportiert. Je nach Leistungsgröße des Kessels eignen sich solche Systeme vom modernen Niedrigenergiehaus bis zum schlecht gedämmten Altbau. Mit einem Einschubbrenner lassen sich auch Kessel nachrüsten, die bisher mit Öl betrieben wurden.
Energie-Glossar
Erneuerbare Energien: Erneuerbare Energien, auch regenerative Energien genannt, erneuern sich ständig auf natürliche Weise. Die Energiegewinnung erfolgt aus Wind, Wasser, Sonne und Biomasse. Bisher hat die Wasserkraft unter den erneuerbaren Energien die größte Bedeutung. Für die Zukunft wird der Solarenergie das größte Potenzial zugeschrieben.
Grüner Strom: "Grüner Strom", auch Ökostrom genannt, wird aus regenerativen Energiequellen wie Wind, Wasser, Sonne oder Biomasse erzeugt. Viele Energieversorgungsunternehmen bieten mittlerweile den Verkauf von grünem Strom an.
Kilowattstunde: Die Kilowattstunde (kWh) ist eine Energie-Einheit. Sie ist ein Maß für den Stromverbrauch. Wird Strom mit einer Leistung von 100 Watt (W) über den Zeitraum von zehn Stunden (h) betrieben, wird eine elektrische Arbeit von 100 Watt mal zehn Stunden gleich 1 000 Wattstunden oder einer Kilowattstunde verbraucht.
Kraft-Wärme-Kopplung: Bei der Kraft-Wärme-Kopp- lung (KWK) wird neben der Stromerzeugung auch die entstehende Wärme zu Heizzwecken genutzt. Dadurch ist der Wirkungsgrad mit etwa 85 Prozent sehr hoch. Als Brennstoffe können Erdgas, Diesel, Biogase oder feste Biomasse genutzt werden. Kleine KWK-Anlagen werden auch als Blockheizkraftwerke (BHKW) bezeichnet.
Fotovoltaik: Unter Fotovoltaik versteht man die direkte Umwandlung von Lichtenergie in elektrische Energie in einer Solarzelle. Bei voller Sonnenstrahlung (etwa 1 000 Watt pro Quadratmeter in Mitteleuropa) kann eine Solarzelle zehn bis 15 Prozent dieser Energie direkt in Strom umwandeln. Um die Welt mit Fotovoltaik-Strom zu versorgen, wäre eine in der Sahara gelegene Fläche von 700 auf 700 Kilometern ausreichend, geht man von einem Wirkungsgrad von zehn Prozent aus.
Liberalisierter Strommarkt: Der liberalisierte Strommarkt entstand durch das neue Energiewirtschaftsgesetz im Jahr 1998. Das Gebietsmonopol der Energieversorger wurde aufgelöst und die Verbraucher können seitdem ihren Stromlieferanten frei wählen. Produktion, Transport und Verteilung von Strom müssen seitdem unternehmerisch getrennt sein, das heißt die Betreiber der Stromnetze (Netzbetreiber) müssen jedem Produzenten ihr Netz für die Durchleitung von Strom zum gleichen Preis zu Verfügung stellen.
Stand-by: Als Stand-by-Betrieb bezeichnet man den Bereitschaftsbetrieb bei elektrischen Geräten. Viele Geräte stehen noch unter Strom, auch wenn sie scheinbar ausgeschaltet sind. Wenn das rote Lämpchen am Fernseher noch leuchtet, sind nur Lautsprecher und Bildschirm ausgeschaltet.
Die Leerlaufverluste der Stand-By-Schaltungen in Deutschland summieren sich auf jährlich etwa 20 Milliarden Kilowattstunden Strom und setzen 14 Millionen Tonnen Kohlendioxid frei. Dies entspricht dem Stromverbrauch der Städte Hamburg und Berlin.
Stromeinspeisegesetz: Seit Einführung des Stromeinspeisegesetzes 1991 muss jedes Energieversorgungsunternhemen Strom aus erneuerbaren Energien zu festgesetzten Preisen von den Erzeugern abnehmen. Damit lohnt sich auch für private Betreiber der Bau von Solar-, Wind-, und Wasserkraftanlagen. Das Stromeinspeisegesetz löste eine starke Zunahme bei der regenarativen Stromerzeugung aus.
Wasserkraft: Die Wasserkraft ist der älteste und am stärksten ausgebaute regenerative Energieträger in Deutschland. Es existieren verschiedene Kraftwerkstypen. Am verbreitetsten sind Laufwasser- und Speicherkraftwerke. Während Laufwasserkraftwerke zur Sicherung der Grundlast beitragen, werden Speicherkraftwerke zur Deckung von Spitzenlasten bei besonders hohem Strombedarf genutzt.
Wirkungsgrad: Der elektrische Wirkungsgrad beschreibt das Verhältnis von Energiegehalt des eingesetzten Brennstoffes zur Stromausbeute. Der Wirkungsgrad bei normalen Braunkohle-Kraftwerken beträgt nur 33 bis 38 Prozent, also nur ein Drittel des Energiegehaltes der Braunkohle wird in Strom umgewandelt, der Rest geht als Abwärme verloren. Im Gegensatz dazu hat eine Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage einen Wirkungsgrad von 85 Prozent, da hier auch die Abwärme genutzt wird.
Dachflächen für Solarstrom-Anlagen
Brundtlandbüro und SEBZ vermitteln
Investoren, die freie Dachflächen für Fotovoltaikanlagen suchen, können sich ab sofort beim Brundtlandbüro für Klimaschutzmaßnahmen oder beim Solar- und Energieberatungszentrum Bergstraße (SEBZ) melden. Das gleiche gilt für Hausbesitzer, Firmen und andere Gebäudebesitzer, die gern eine Solarstrom-Anlage auf dem Dach hätten, aber nicht selbst investieren können und deshalb ihre Dachfläche kostenlos zur Verfügung stellen möchten. Die Mitarbeiter von Brundtlandbüro und SEBZ stellen dann den Kontakt zwischen Investoren und Gebäudeinhabern her.
Zur Zeit kommt es zu einer verstärkten Nachfrage nach Dachflächen für die Erzeugung von Sonnenstrom. Durch das Energieeinspeisegesetz,welches Solarstromerzeugern eine Vergütung von 99 Pfennigen für jede ins Stromnetz eingespeister Kilowattstunde verschafft, lohnt es sich, in Fotovoltaikanlagen zu investieren. Vor allem größere Dachflächen, die über einen längeren Zeitraum zur Verfügung gestellt werde können, sind für Investoren interessant.
Der Kreis Bergstraße hat in Heppenheim bereits einen Anfang gemacht. Hier erzeugt ein regionaler Energieversorger Sonnenstrom auf dem Dach der Martin-Buber-Schule. Landrat Norbert Hofmann setzt sich persönlich dafür ein, dass nun auch private Investoren zum Zuge kommen. In den Planungen für die erste Klimaschutzschule des Kreises - sie soll in den Kappesgärten in Bensheim errichtet werden - ist die Elektroinstallation für eine spätere Stromerzeugung auf dem Dach bereits vorgesehen. "Wenn wir einen Partner finden, der hier Solarstrom erzeugen will, dann machen wir das", so der Landrat.
Auch der Vorstandsvorsitzende der Wohnbaugesellschaft Wohnbau Bergstraße, Gernot Jakobi, singalisierte seine Kooperationsbereitschaft. "Wenn sich jemand für unsere Dächer zum Stromerzeugen interessiert, kann er sie gerne haben." Ein Investor aus Bürstadt hat bereits sein grundsätzliches Interesse bekundet.
Kontakt: Kreis Bergstraße, Brundtlandbüro für Klimaschutzmaßnahmen, Frau Dünnhoff, Telefon 06252/15-197, email: klima@kreis-bergstrasse.de oder Solar- und Energieberatungszentrum Bergstraße (SEBZ), Herr Müller, Telefon 06252 / 913460, email: sebz-bergstrasse@t-online.de.
Windenergie in der Diskussion
Zur aktuellen Debatte um Windenergienutzung im Kreis Bergstraße
Wo der Wind weht, arbeiten Windräder wirtschaftlich und erzeugen CO2-frei "Grünen Strom". Eigentlich die richtige Form der Energiegewinnung für eine KlimaschutzRegion. Trotzdem sind die rund 100 Meter hohen "Spargel" nicht überall gern gesehene Vorboten der notwendigen Energiewende. KliMa hat zwei Fachleute zu diesem Thema zu einem Diskurs über Windkraft im Kreis Bergstraße eingeladen. Dr. Michael Zanger, der Leiter des Umweltamtes Kreis Bergstraße und damit auch der Unteren Naturschutzbehörde, erläutert die Argumente, die regional gegen die Nutzung des Windes zur Stromerzeugung sprechen. Erhard Renz, Vorsitzender der Regionalgruppe Südhessen des Bundesverbandes Windenergie, Betriebswirt und nebenberuflicher "Hobby-Windmüller", setzt sich für Windräder in der Region ein.
KliMa: Herr Renz, warum engagieren Sie sich für Windkraftnutzung in Südhessen?
Renz: Windkraft ist eine zukunftsweisende Energieform. Deutschland ist zusammen mit Dänemark Spitzenreiter bei der Windkraftnutzung. Wir können mit Windkraftanlagen kohlendioxidfrei und mittlerweile auch wirtschaftlich Strom erzeugen
KliMa: Herr Dr. Zanger, welche Aufgabe hat Ihre Behörde im Zusammenhang mit der Genehmigung von Windrädern?
Dr. Zanger: Bei Windkraftanlagen, die im Landschaftsschutzgebiet Bergstraße-Odenwald errichtet werden sollen, ist die Untere Naturschutzbehörde eine Genehmigungsbehörde. Unsere Genehmigung ist in diesen Fällen vorgreiflich, das bedeutet, dass sie vor allen anderen erteilt werden muss.
KliMa: Welche Aspekte müssen für die Genehmigung überprüft werden?
Dr. Zanger: Im Grunde ist es das Verfahren wie beim Bau einer Straße. Es sind verschiedene Fragestellungen abzuarbeiten. So muss beispielsweise abgeschätzt werden, wie stark sich das Windrad auf das Landschaftsbild, den Naturhaushalt und den Naturgenuss auswirkt. Gibt es Folgen auf den Vogelzug, werden geschützte Biotope in Mitleidenschaft gezogen, sind alle alternativen Standorte zu der beantragten Fläche genau überprüft worden oder gibt es normative Hindernisse, wie beispielsweise ein Naturschutzgebiet.
Die Wirkung auf das Landschaftsbild kann man zum Beispiel mit Hilfe von Computeranimationen simulieren. Ob eine Windkraftanlage genehmigt werden kann, hängt im Wesentlichen davon ab, wie der Einfluss auf das Landschaftsbild und den Naturgenuss bewertet wird. Für diese Bewertung gibt es inzwischen Kriterien, die allgemein als objektiv anerkannt sind. Diese Kriterien müssen für die Errichtung der Anlage geprüft werden. Steht dem Vorhaben nichts entgegen, kommt die Genehmigung.
Es kann aber auch negative Auswirkungen auf die so genannten Schutzgüter der Natur geben, die nicht ausgeglichen werden können. Ich denke da zum Beispiel an wichtige Vogelfluglinien, die zu einer Ablehnung führen müssen.
Renz: In Nordhessen werden zur Zeit viele Windkraftanlagen mit diesem Argument verhindert. Dabei hat das noch niemand genau untersucht. Wir würden uns eine wissenschaftliche Untersuchung dazu von Seiten des Landes Hessen wünschen. Das ist der Gemeinde und auch dem Investor nicht zuzumuten, wegen einer Anlage drei Jahre lang Vögel zu beobachten.
Dr. Zanger: Das sehe ich anders. Eine solche Untersuchung muss der Investor bezahlen, das kann kann nicht Sache des Steuerzahlers sein.
KliMa: Nun ist es ja so, dass Windenergie als regenerative Energie von Bund und Ländern mit Förderprogrammen forciert wird. Wäre es dann nicht auch folgerichtig, solche Gutachten zu bezahlen?
Dr. Zanger: Dann müsste der Steuerzahler in Zukunft auch für die Gutachten der ICE-Trassen herangezogen werden. Für unsere Behörde ist nicht entscheidend, wie solche Gutachten zu Stande kommen, aber manchmal brauchen wir sie, um zu entscheiden, ob die Anlage genehmigt werden kann oder nicht.
Renz: Gerade in den Mittelgebirgen, wo die windhäufigen Flächen mit ausreichenden Windstärken rar sind, wären flächendeckende Vogelfluguntersuchungen für alle Beteiligten von Nutzen.
KliMa: Wie hoch sind Windkraftanlagen normalerweise und wie viel Platz brauchen sie an ihrer Basis?
Renz: Herkömmliche Windräder mit einer Leistung von einem Megawatt sind nicht höher als 100 Meter. Rentabler sind allerdings Anlagen, die eine Leistung von 2,5 Megawatt erbringen. Die sind dann bis zu 130 Meter hoch. Am Boden braucht eine Windkraftanlage eine Fläche von etwa zehn mal zehn Metern. Das sind 100 Quadratmeter, so viel wie eine durchschnittliche Drei-Zimmer-Wohnung.
Klima: Spielt die Größe der Anlage für die Genehmigung eine Rolle?
Dr. Zanger: Ja, eine große Anlage bedeutet auch einen größeren Eingriff insbesondere in das Landschaftsbild. Für mich sind Windräder industrielle Großanlagen, die nicht in eine kleinräumige Landschaft wie den Odenwald passen. Wir leben hier zwischen den Verdichtungsräumen Rhein-Main und Rhein-Neckar und sollten uns diesen Erholungsraum in der Nähe unbedingt erhalten. Auch der Verein Naturpark Bergstraße-Odenwald hat sich in der Vergangenheit kritisch über Windräder im Landschaftsschutzgebiet geäußert. Das Landschaftsschutzgebiet Bergstraße-Odenwald ist ja gerade wegen seiner großen Bedeutung für die Erholung der regionalen Bevölkerung ausgewiesen worden.
Renz: Meiner Ansicht nach trüben Windräder den Landschaftgenuss nicht. Die Erfahrungen aus Neutsch im Landkreis Darmstadt-Dieburg zeigen uns: Da kommen die Wanderer extra hin, um die Windräder zu sehen. Natürlich dürfen wir den Odenwald nicht verspargeln, aber die wenigen Standorte, die sich hier für die Windkraftnutzung eignen, würden doch eher anziehend wirken.
Dr. Zanger: Windkraftanlagen von über 100 Meter Höhe werde ich aber von fast überall im Odenwald sehen können, weil sie an exponierten Stelle liegen. Das verändert die gesamte Silhouette des Odenwaldes.
Renz: Schauen Sie sich doch mal die Schneisen für die Strom-Überlandleitungen an. Die beeinträchtigen den Naturgenuss auch.
1Dr. Zanger: Als die in den Sechziger und Siebziger Jahren genehmigt wurden, war der Erholungsdruck längst nicht so groß wie heute. Ein wesentlicher Unterschied ist aber, dass Strommasten nicht diese Höhen von 130 Meter erreichen und sich vor allem nicht bewegen, während die Bewegung der Windräder die Blicke regelrecht auf sich zieht.
Renz: Wenn es ein Luftkurort wie Lindenfels nicht schafft, Windenergie positiv für den Tourismus zu vermarkten, dann verstehe ich das Tourismuskonzept nicht. Die gute Luft im Odenwald ist eben nicht nur gut zum Spazieren gehen, sondern macht auch noch "Grünen Strom". "Grüner Strom" aus dem grünen Odenwald! Sogar das Verwaltungsgericht Karlsruhe hat uns mittlerweile bestätigt, dass Windräder den Landschaftsgenuss nicht beeinträchtigen.
Dr. Zanger: Sauberen Strom kann man auch anders erzeugen. Wenn wir uns die CO2-Einsparung durch Windenergie mal anschauen, dann reden wir über gerade mal drei oder vier Prozent. Die Windräder in Hessen können gerade mal die CO2-Bilanz einer kleinen Gemeinde kompensieren. Der große Wurf kommt nicht von der Windenergie. Da sehe ich gerade in Kreis Bergstraße die Solarenergie und die Nutzung von Biomasse wie zum Beispiel Holz ganz vorne. Das sollten wir forcieren. Ich selbst beziehe auch "Grünen Strom". Bedingung war für mich aber, dass da kein Windstrom drin ist. Das war mir wichtig. Das Hauptargument für die Anlagen ist doch, dass man mit ihnen Geld verdienen kann. Aber dieser Vorteil wird teuer erkauft, denn die CO2-Reduzierung ist minimal und wir beeinträchtigen damit unsere letzten Erholungsräume.
Renz: Fotovoltaik wird zumindest in absehbarer Zeit die Hoffnungen nicht erfüllen. Da bewegen wir uns in den nächsten zehn Jahren in Bereichen von weniger als einem Prozent Anteil an der gesamten Stromversorgung. Bei Windenergie sind wir derzeit schon bei 2,5 Prozent. Außerdem muss sich die Investition für den Investor lohnen. Bei Fotovoltaik funktioniert das noch nicht. Die Rendite ist einfach nicht attraktiv genug. Bei Windenergie ist das anders. Damit kann man Geld verdienen. Das sollten Sie Ihrer Bevölkerung nicht vorenthalten.
Dr. Zanger: Gute Renditen im Umweltschutz sind immer zu begrüßen, nur sollte man nicht die falsche Hoffnung wecken, damit könnten unsere Energieprobleme gelöst werden. Diesen Quantensprung wird die Windenergie nie schaffen. Der Solarenergie kann dies aber in absehbarer Zeit gelingen. Wenn man also die Energiewende will, dann doch bitte von Anfang an in die richtige Richtung.
KliMa: Wie lange dauert es, bis Windkraftanlagen ihre Investitionskosten erwirtschaftet haben?
Renz: Das ist von vielen Faktoren abhängig. Man kann als Faustregel sagen, dass wir hier im Mittelgebirge zehn Jahre für die Investitionskosten brauchen und noch mal zwei Jahre um die laufenden Kosten zu decken. Also insgesamt etwa zwölf Jahre. In Norddeutschland geht das wesentlich schneller.
KliMa: Könnten sie sich vorstellen, statt in Windenergie auch in Solarenergie zu investieren?
Renz: Das stelle ich mir nicht nur vor, das tue ich schon. Wir versuchen seit geraumer Zeit in Südhessen langfristig Dachflächen zu pachten, auf denen wir dann Fotovoltaikanlagen installieren können. Aber finden Sie mal jemanden, der Ihnen sein Dach für 20 Jahre für wenig Geld vermietet.
KliMa: Herr Dr. Zanger, könnten Sie da nicht miteinander ins Geschäft kommen? Der Kreis Bergstraße hat doch Interesse, seine Dachflächen für Investoren oder Bürgerbeteiligungsanlagen zur Verfügung zu stellen?
Dr. Zanger: Das würden wir gerne tun und haben etwas Ähnliches auf der Martin-Buber-Schule in Heppenheim auch schon gemacht. Dort hat ein Energieversorger eine Solarstromanlage errichtet. Ein Problem ist allerdings die Haftung und die komplizierte Vertragsgestaltung, die dazu nötig ist.
KliMa: Herr Renz, es ist ein großes Engagement von Ihrer Seite zu erkennen. Wäre das nicht ein Ansatzpunkt, den es sich lohnt zu verfolgen? Es gibt doch bereits in anderen Städten Fotovoltaikanlagen von privaten Betreibern auf öffentlichen Gebäuden. Könnte der Kreis Bergstraße nicht aus deren Erfahrungen lernen?
Renz: Das wäre sicher eine interessante Aufgabe. Herr Dr. Zanger, ich würde gerne mit Ihnen im Gespräch bleiben.
Dr. Zanger: Freut mich. Das sollten wir tun.
KliMa: Herr Renz, Herr Dr. Zanger, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Umweltfreundliche Energie ist Thema beim 13. Öko-Markt in Bensheim
Buntes Programm: Vorträge, Exkursionen und Energietheater für Kinder
"Voller Energie" ist der Öko-Markt Bensheim, der am 28. Oktober im Bürgerhaus und auf dem Beauner Platz stattfindet. Neben mehr als 50 Ausstellern hat der Arbeitskreis Öko-Markt gemeinsam mit dem Brundtlandbüro des Kreises Bergstraße ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm zusammengestellt. Zeitgleich mit dem verkaufsoffenen Sonntag in Bensheim bietet der traditionelle Ökomarkt dieses Jahr ein buntes Programm: Um 11.00 Uhr wird nach der Eröffnung durch Landrat Norbert Hofmann Dr. Horst Meixner von der Energieagentur HessenENERGIE eine Diskussion über die zukünftige Energieversorgung in Deutschland moderieren. Umweltfreundliche Heizungssysteme stehen dabei im Vordergrund. Um 12.00 Uhr stellen regionale Energieversorger ihre Angebote zu Grünem Strom aus erneuerbaren Energien vor. Im Rahmen von drei Exkursionen werden Kraftwerke besucht, die Energie aus erneuerbaren Energiequellen gewinnen. Um 14.30 Uhr geht's mit der Pferdekutsche zu einer Fotovoltaikanlage, die auf dem Dach des Kindergartens in den Kappesgärten installiert ist. Um 15.15 Uhr erläutert Volker Döringer, der Energiebeauftragte des Kreises Bergstraße, das Blockheizkraftwerk im Bürgerhaus Bensheim. Um 16.00 Uhr startet ein Bus zur Wasserkraftanlage in Bensheim. Der Diplom-Ingenieur Bernd Müller vom Solar- und Energieberatungszentrum Bergstraße informiert ab 18.00 Uhr über moderne und umweltfreundliche Holzheizungen.
Auch für die kleinen Besucher des Öko-Marktes gibt es ein tolles Programm: Um 14.30 Uhr und um 16.00 Uhr tritt das Energietheater "Wackelkontakt mit Kabelsalat" auf. Außerdem bietet die naturschule bergstraße/odenwald kreative Angebote zum mitmachen.
Malwettbewerb
Hallo Kinder!
Wenn ihr in der KlimaschutzRegion, das heißt in Bensheim, Biblis, Bürstadt, Einhausen, Groß-Rohrheim, Heppenheim oder in Zwingenberg wohnt oder in einem dieser Orte zur Schule geht, dann könnt ihr jetzt tolle Preise gewinnen. Mitmachen können Kinder bis zum Alter von zwölf Jahren. Was müsst ihr tun?
Malt uns ein Bild mit Ideen, die euch zu "Klimaschutz - gemeinsam handeln" einfallen. Sicher habt ihr gute Ideen, was jeder von uns tun kann, um Energie, wie zum Beispiel Strom oder Heizenergie zu sparen, und dadurch das Klima auf der Erde zu schützen. In vielen Ländern der Erde wird es immer wärmer und es regnet weniger, was Menschen, Tieren und Pflanzen Probleme bereitet.
Die Bilder sollten so groß wie normales Schreibpapier sein (DIN A 4). Bitte schickt die Bilder an folgende Adresse:
Kreis Bergstraße, Brundtlandbüro für Klimaschutzmaßnahmen, Gräffstr. 5, 64646 Heppenheim. Wenn ihr in der Nähe wohnt, könnt ihr die Bilder auch dienstags persönlich im Brundtlandbüro in der Kellereigasse 2 in Heppenheim abgeben.
Wichtig: Schreibt euren Vor- und Nachnamen, euer Alter und eure Adresse auf die Rückseite des Bildes. Einsendeschluss ist Freitag, der 19. Oktober 2001. Die schönsten Bilder werden auf dem Ökomarkt in Bensheim am 28. Oktober 2001 ausgestellt.
1. Preis: Lenkdrachen , 2. Preis: Diercke Kinderatlas, 3. Preis: Buch: Rettungsaktion Planet Erde - Kinderausgabe 4. - 20. Preis: je ein T-Shirt "Klimaschutz - gemeinsam handeln"
Wir freuen uns auf eure Kunstwerke. Euer Brundtlandteam
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