Klimaschutzzeitung „KliMa" - Ausgabe 4/2001

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Energiesparschule für Bensheim - Baubeginn im Dezember 2001

Bensheim/Kreis Bergstraße. Die Gesundheit der Bergsträßer Schüler und die vorbildliche und zukunftsfähige Entwicklung bei Schulbauten im Kreis hat Landrat Norbert Hofmann fest im Visier. Mit Unterstützung des Projektes „KlimaschutzRegion Hessisches Ried" entsteht im Bensheimer Stadtteil Kappesgärten der Neubau einer Grundschule mit minimalem Energieverbrauch.

„Mit diesem ehrgeizigen Projekt ist der Schulbau auf dem richtigen Weg in Richtung Zukunft. Schon die Schüler sollen lernen, wie energieeffizente Technik funktioniert", so der Landrat.

Im August wurde das Projekt vom beauftragten Planungsbüro Sartorius + Partner vorgestellt. Geplant war, den Schulneubau in „Passivhaus-Bauweise" zu errichten. Im Schulbau ist das Neuland. Viele neue technische Detaillösungen sind erforderlich. Dadurch sind die Anforderungen an die Planung sehr hoch. Der Neubau der Grundschule in den Kappesgärten ist ein gutes Beispiel, dass Nachahmer weit über Bensheim hinaus finden soll. Aus diesem Grund wurde eine wissenschaftliche Beratung der Planer im Rahmen des Modellprojektes Klimaschutzregion Hessisches Ried ermöglicht. Dabei wurde deutlich, dass die Anforderungen, die der Passivhaus-Standard an die Konstruktion der Schule stellt, nicht in einem wirtschaftlich vertretbaren Rahmen zu erfüllen sind. Als Ziel wurde deshalb eine verbesserte Niedrigenergiehaus-Bauweise definiert.

Die Gebäudekonstruktion sieht demnach eine optimale Wärmedämmung vor. Die Schule bekommt ein flachgeneigtes Gründach und für die Toilettenspülung soll Regenwasser genutzt werden. Der Neubau wird an die Heizzentrale der benachbarten Geschwister-Scholl-Schule mit einer Fernleitung angeschlossen werden, wo der Einsatz eines Blockheizkraftwerkes vorgesehen ist.

Der wesentliche Unterschied zur herkömmlichen Bauweise ist eine kontrollierte Lüftungsanlage. Die Zuluft wird über einen Erdwärmetauscher vorgewärmt beziehungsweise im Sommer abgekühlt. Mit der Wärmerückgewinnung wird erheblich Energie eingespart. Außerdem sind so von Anfang an Probleme der Raumlufthygiene gelöst. Die Heizkörper erhalten eine Einzelraumsteuerung und sobald ein Fenster geöffnet wird, schalten die Heizkörper ab. Die Elektroinstallationen werden nach dem neusten technischen Standard eingesetzt. Die Beleuchtung wird tageslicht- und bewegungsabhängig reguliert.

Der jährliche Heizenergiebedarf wird in der neuen Grundschule um mehr als 60 Prozent, der Stromverbrauch um 40 Prozent reduziert. Die Umweltbelastung durch Kohlendioxid wird so erheblich vermindert.

Die Gesamtkosten dieses Schulneubaues werden mit rund 9,8 Millionen Mark beziffert. Darin ist ein Kostenanteil von rund 980 000 Mark für die verbesserte Niedrigenergie-Bauweise enthalten. Die niedrigen Heizungs- und Stromkosten machen das Projekt aber auf lange Sicht trotzdem zu einer lohnenswerten Sache für den Kreis, nicht nur für die Umwelt.


Passivhäuser - Häuser ohne Heizung

Hinter einem Passivhaus verbirgt sich ein modernes, ausgeklügeltes und dennoch einfaches Baukonzept. In diesem Energiesparhaus herrscht ein komfortables Innenklima, ohne dass ein aufwändiges Heizungs- und Klimatisierungssystem benötigt wird. Das Haus „heizt" und „kühlt" sich fast passiv.

Heizen mit 100 Mark pro Jahr

Ein Passivhaus verbraucht weniger als 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr an Heizenergie. Das bedeutet, dass ein 100 Quadratmeter großes Haus nicht mehr als 150 Kubikmeter Gas oder 150 Liter Öl pro Jahr benötigt, um eine angenehme Raumtemperatur zu erzeugen.

Mit 150 Liter durch den Winter

Auf Grund des geringen Energieverbrauchs sind, außer eventuell im Bad, im ganzen Haus keinerlei Heizkörper erforderlich. Es reicht eine minimale Erwärmung der Zuluft, um auch in unseren Breiten ein Passivhaus im Winter behaglich warm zu halten. Als Wärmequelle eignet sich eine Wärmepumpe, eine einfache Gastherme oder ein kleiner Holz-Pelletofen. Mittlerweile wurden mehrere hundert Passivhäusern in Deutschland gebaut, und die Bewohner bestätigen einen hohen Wohnkomfort bei niedrigen Heizkosten.

Energieverluste minimieren, Energiegewinne optimieren

Das Passivhaus ist ein konsequent weiterentwickeltes Niedrigenergiehaus. Wie beim Niedrigenergiehaus sollte die Gebäudehülle möglichst kompakt sein. Die Wärmedämmung ist rund ums Gebäude 25 bis 45 Zentimetern dick, was die Wärmeverluste minimiert. Fenster mit dreifacher Verglasung sitzen in hochgedämmten Rahmen und sind überwiegend nach Süden ausgerichtet, um besonders im Winter die Sonne einzufangen. Besonders wichtig ist, dass durch die Gebäudehülle keine Luft entweichen kann. Diese Luftdichtigkeit wird durch einen speziellen Drucktest (Blower-door-Test) nachgewiesen.

Passivhäuser haben eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Aus Küche und Bad wird Luft abgesaugt. Mit ihrer Wärme wird über einen Wärmetauscher die Luft für die Wohn- und Schlafräume erwärmt. Die Frischluft von außen wird idealerweise in einem Erdwärmetauscher, einem 40 Meter unter der Erde verlegten Rohr, vorgewärmt und im Sommer vorgekühlt. Die Erwärmung des Brauchwassers erfolgt über Solaranlagen oder hocheffiziente Wärmepumpen.

Passivhäuser sind bezahlbar und wirtschaftlich

Ein Pasivhaus kostet nicht wesentlich mehr als ein konventionell gebautes Haus. Ein 100 Quadratmeter großes Reihenmittelhaus in Hannover war als Passivhaus nur 15000 Mark teurer als ein konventioneller Bau gleicher Größe. Eine Doppelhaushälfte in Nürnberg mit 130 Quadratmetern kostete 25700 Mark mehr. Den Mehrkosten stehen jedoch geringere Heizkosten von jährlich 1000 bis 2000 Mark gegenüber. Zudem gibt es zahlreiche Fördermöglichkeiten.

Die Ökozulage der Eigenheimzulage kann mit 7 200 Mark voll ausgeschöpft werden. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bietet für Passivhäuser günstige Kredite mit einem Zinssatz von gegenwärtig 4,5 Prozent. Die Vermittlung der Kredite erfolgt über alle Banken und Sparkassen. Auf diese Weise haben sich die Mehrkosten in kurzer Zeit amortisiert. Gelassen können Besitzer von Passivhäusern die Entwicklung der Energiepreise verfolgen.

Weitere Informationen zum Thema Passivhaus erhalten Sie beim Solar- und Energieberatungszentrum Bergstraße (SEBZ), Telefon: 06252/913460 oder beim Passivhaus-Institut in Darmstadt, Tel. 06151/826990, Internet:www.passiv.de.


Wohnbau Bergstraße saniert Häuser mit Unterstützung des Brundtland-Büros: Förderprogramm ist maßgeschneidert für Wohnbau Bergstraße

Bensheim. Die Wohnbau Bergstraße eG ist im Kreis Bergstraße einer der größten Anbieter von Wohnraum. Zur Zeit saniert die Wohnbau Bergstraße einige ihrer Mietshäuser mit Fördermitteln des Brundtlandbüros für Klimaschutzmaßnahmen in Heppenheim.

Etwa 2000 Gebäude verwaltet die Wohnbau Bergstraße gegenwärtig. Die Wohnungsbaugesellschaft wurde 1947 gegründet, um den kriegsbedingten Wohnungsmangel in Bensheim und Umgebung zu verringern. Ein Großteil dieser Wohnungen ist deshalb heute über 40 Jahre alt und sanierungsbedürftig. Aus diesem Grund beobachtete der Vorstandsvorsitzende Gernot Jakobi auch die Aktivitäten des Heppenheimer Klimaschutzbüros sehr genau. Ursprünglich wurden vom Brundtlandbüro nur private Hausbesitzer gefördert. Mit Ausweitung der Förderrichtlinien und der Erhöhung der maximalen Förderung von 30 000 Mark auf 50 000 Mark wurde das Programm auch für die Wohnungsbaugesellschaft interessant. Jakobi: „Das Förderprogramm ist jetzt wie für uns gemacht."

So begannen in diesem Jahr die Arbeiten an fünf Gebäuden in Bensheim und Bensheim-Auerbach. Vor allem die Außenwände werden wärmegedämmt. In einem weiteren Gebäude werden Speicherboden und Kellerdecke isoliert, um die Energieverluste zu verringern. Bei der Wärmedämmung wird, entgegen dem früheren Vorgehen, eine zwölf Zentimeter dicke Isolierung angebracht. Bisher wurden die Außenwände nur mit sechs bis acht Zentimetern gedämmt. Doch die Richtlinien für eine mögliche Förderung gaben zwölf Zentimeter vor. Bevor der Förderantrag gestellt werden konnte, mussten Michael Schmidt, zuständig für die Vermietung der Wohnungen, und Heinrich Berg, der für Modernisierungen zuständige Bauingenieur das ganze betriebswirtschaftlich prüfen. „Wir haben uns verschiedene Angebote für eine Acht-Zentimeter-Dämmung eingeholt und sie verglichen mit den Kosten für die Zwölf-Zentimeter-Dämmung abzüglich der Zuschüsse vom Brundtlandbüro. Wir sind zu der Überzeugung gekommen, dass sich das auf jeden Fall rechnet", so Schmidt. Der Diplom-Finanzwirt Jakobi sieht noch mehr Vorteile. „Entscheidend war für uns nicht, dass es Zuschüsse gab, sondern dass wir bei gleicher Investitionssumme einen erheblich höheren Standard realisieren konnten. Das ist gut für unsere Mieter, weil sie dadurch in Zukunft niedrigere Heizkosten haben werden."

Insgesamt sind 44 Wohnungen von den Baumaßnahmen betroffen, dies entspricht etwa 2 100 Quadratmeter Wohnfläche. Die Mieter in diesen Wohnungen müssen nach der Sanierung mit einer Mieterhöhung rechnen, andererseits werden die Nebenkosten deutlich sinken, wodurch sich unterm Strich nichts ändern wird, außer beim gestiegenen Wohnkomfort. "Durch die Wärmedämmung entsteht ein viel besseres Raumklima, es ist viel angenehmer", berichtet der Bauingenieur Berg von Mietern anderer Häuser.

An den verschiedenen Baustellen sind drei Handwerksfirmen beschäftigt insgesamt 18 Handwerker werden benötigt. Rund 240000 Mark investiert die Wohnbau Bergstraße allein für Wärmedammm-Maßnahmen in diese Immobilien. Etwa ein Viertel gibt das Brundtlandbüro dazu.

Einen besonderen Reiz hat für Gernot Jakobi ein Projekt, mit dem ein gutes Dutzend Häuser am Berliner Ring fit für die Zukunft gemacht werden soll. Bei diesen Häusern werden ausgetretene Pfade verlassen und sie erhalten eine Holzhackschnitzelanlage zur Wärmeversorgung. Die bisherige Versorgung mit Gas soll nur noch bei großem Bedarf eingeschaltet werden. Dadurch schafft sich die Wohnbau ein zweites Standbein bei der Energieversorgung der rund 230 Wohnungen umfassenden Anlage und wird somit unabhängiger von dem Gasversorger und den Preisschwankungen dieses Energieträgers auf dem Weltmarkt. Jakobi möchte gerne Holzhackschnitzel aus den Wäldern rund um Bensheim verfeuern. Damit könnte ein regionaler Wirtschaftskreislauf angestoßen werden.


Das Solar- und Energieberatungszentrum Bergstraße (SEBZ) stellt sich vor

Viele kennen das Solar- und Energieberatungszentum Bergstraße (SEBZ) am Heppenheimer Marktplatz noch nicht. Darum möchten wir diese kostenlose und unabhängige Beratungsstelle noch einmal vorstellen. Der Geschäftsführer des SEBZ ist der Diplom-Ingenieur für Physikalische Technik Bernd Müller. Er ist auch in beratender Funktion tätig. Seine engagierten Mitarbeiterinnen sind die Bauingenieurin Ulrike Michalski, die ebenfalls als Beraterin tätig ist und Ina Luther, die sich um die Verwaltung kümmert.

KliMa: Herr Müller, welche Dienstleistungen bietet das SEBZ an?

Bernd Müller: Im weitesten Sinne beraten wir rund um das Thema Energie. Wir stehen Interessierten bei Fragen zur Wärmedämmung, Niedrigenergie- und Passivhausbauweise, Heizungsanlagen, solarer Warmwasserbereitung zur Seite. Auch geben wir gerne Auskunft zu Fragen über die solare Stromerzeugung, Stromsparmöglichkeiten und Regenwassernutzung. Zudem bieten wir einen kostenlosen Energiepass für Gebäude an, der Auskunft darüber gibt, wieviel Energie zum Beispiel durch Decken und Außenwände verloren geht und was durch geeignete Maßnahmen eingespart werden kann. Wichtig ist hier sicherlich auch unser Wissen über finanzielle Fördermöglichkeiten. Außerdem bieten wir eine Energie-Initialberatung für Betriebe an, die als Entscheidungshilfe dienen soll, ob sich das Einschalten eines Ingenieurbüros zur Planung von Energiesparmaßnahmen lohnt.

Um uns untereinander abzustimmen und zum Austausch von Informationen, halten wir regelmäßig Kontakt zum Brundtlandbüro in Heppenheim, dem Energieberater der Stadt Bensheim, dem Umweltamt des Kreises und dem "Drei-Städte-Klimaschutzprojekt" in Viernheim, Lampertheim und Lorsch.

KliMa: Wer kann sich vom SEBZ beraten lassen?

Bernd Müller: In erster Linie möchten wir Privatpersonen im Kreis Bergstraße unterstützen. Wir bieten jedoch auch die schon erwähnte Initialberatung für Betriebe an. Außerdem arbeiten wir beratend mit dem Handwerk zusammen, welches jedoch leider nicht immer weiß, dass es uns gibt und was wir anbieten. Hier würden wir uns eine intensivere Zusammenarbeit wünschen.

KliMa: Wieviel kostet eine Beratung bei Ihnen?

Bernd Müller: Die Beratung bei uns ist kostenlos und kann nach vorheriger Anmeldung jeden Dienstag und Mittwoch in Anspruch genommen werden. Aus zeitlichen Gründen ist es uns leider nicht möglich, Objekte vor Ort zu besichtigen. Ansonsten ist unser Büro immer Montag bis Donnerstag von 9 Uhr bis 12 Uhr geöffnet, sowie Dienstag und Donnerstag von 12.30 Uhr bis 16.30 Uhr.

KliMa: Wie finanziert sich das SEBZ?

Bernd Müller: Träger des SEBZ ist eine Arbeitsgemeinschaft, deren Mitglieder der Kreis Bergstraße, die Stadt Heppenheim, der Energieversorger NaturPur (HEAG) ist. Finanzierungsbeiträge leisten auch die Südhessische Gas und Wasser AG und das GGEW sowie 15 weitere Kommunen im Kreis. Einmal jährlich legen wir einen Rechenschaftsbericht vor, in dem wir dokumentieren, welche Arbeit wir leisten.

KliMa: Welchen Nutzen haben die Bürger des Kreises Bergstraße vom SEBZ?

Bernd Müller: Jeder kann sich hier kostenlos Informationen über Zuschussmöglichkeiten bei baulichen Maßnahmen im Energiebereich besorgen, hat also einen direkten finanziellen Vorteil. Wir beraten, wie Fördermittel erhalten werden können und welche Vorgehensweise einzuhalten ist, damit nicht durch einen bürokratischen Fehler die Gelder am Ende nicht ausgezahlt werden. Durch die Tatsache, dass wir nichts verkaufen, sind wir anbieterneutral und können von Fall zu Fall die bestmögliche Lösung für Probleme anbieten. Zum Beispiel kommt es vor, dass eine Solaranlage gewünscht wird, es im gegeben Fall jedoch sinnvoller und günstiger wäre, eine Wärmedämmung durchzuführen. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, dass wir gleich die optimale Ausführung der Maßnahme wie zum Beispiel Dämmstoffstärke oder Kesselleistung ermitteln, um schon im Vorfeld eine Fehlplanung und dadurch finanzielle Mehrausgaben zu vermeiden.

KliMa: Was wird sich für die Bürger ändern, wenn das SEBZ die Aufgaben des Heppenheimer Brundtlandbüros übernimmt?

Bernd Müller: Generell gehe ich von einer Verschlechterung des Angebotes für den einzelnen Bürger aus, da mit dem Ende des Brundtlandbüros auch die Förderprogramme, wie zum Beispiel die Wärmedämmung von Gebäuden, auslaufen. Damit fällt auch die Kontrolle weg, ob die Dämmung fachgerecht ausgeführt wurden und damit ihr Ziel, nämlich die Energieeinsparung, erreicht wird.

Wir hoffen natürlich, dass wir, wie vom Kreis angedacht, personell aufgestockt werden, um die Beratungsangebote und die Öffentlichkeitsarbeit des Brundtlandbüros auch weiterhin in der jetzigen Form anbieten zu können. Schade fänden wir es auch, wenn mit der Schließung des Brundtlandbüros auch die KliMa-Zeitung nicht mehr herausgegeben werden könnte, da dadurch eine wichtige Informationsquelle für die Bürger wegfallen würde.

KliMa: Herr Müller, vielen Dank für das Gespräch.

Für weitere Informationen und Anmeldungen wenden Sie sich bitte an das Solar- und Energieberatungszentrum Bergstraße, Großer Markt 8, 64646 Heppenheim. Telefon: 06252/913460, Fax: 06252/913462, e-mail: sebz-bergstrasse@t-online.de.


Heizkosteneinsparung - Vielfältige Beratungsangebote in der Region

Welche Energiesparmaßnahmen sich im eigenen Haus am meisten lohnen, ist für den Laien oft schwierig zu beurteilen. Nur gut, dass man umfangreiche fachmännische Beratung einholen kann - zum großen Teil sogar kostenlos.

Einen guten Einstieg in das Thema Energieeinsparung bietet die Internet-Seite www.co2online.de. Hier bekommt man neutrale Auskunft auf die interessante Frage: Heize ich die Umwelt mehr als mein Gebäude? Beantwortet wird die Frage mit dem CO2online-Taschenrechner, der auf Tastendruck mit wenigen eingegebenen Informationen angibt, wie es um den wärmetechnischen Zustand eines Gebäudes und seiner Heizungsanlage bestellt ist. Ist eine Modernisierung lohnenswert, nennt CO2online die Namen, Adressen und Qualifikationen von Energieberatern und Handwerkern in Ihrer Nähe sowie welche staatlichen Förderprogramme für Sie in Frage kommen.

Der Bergsträßer Energiepass ist kostenlos

Eine tiefergehende Möglichkeit der Information bietet das Solar- und Energieberatungszentrum Bergstraße (SEBZ) mit seinem Energiepass an. Der Energiepass wird individuell erstellt. Er zeigt auf Grundlage eines Fragebogens, in den Angaben zum Gebäude wie Baujahr, Wohnfläche, Wandaufbau, Fensterflächen etc. eingetragen werden,

  • wie viel Energie durch Dach, Außenwände, Fenster, Keller und den Heizkessel Ihres Gebäudes verloren gehen,
  • welche Energiesparmaßnahmen am Gebäude sinnvoll sind,
  • wie viel Energie und Kosten Sie durch eine Wärmedämmung verschiedener Gebäudeteile oder durch eine Kesselerneuerung sparen können,
  • in welchem Umfang die Energiesparmaßnahmen den Kohlendioxid-Ausstoß vermindern und damit die Umwelt entlasten.

Begleitend zum Energiepass erhalten Sie eine Abschätzung, was die vorgeschlagenen Maßnahmen kosten und welche Maßnahmen für Ihr Gebäude besonders zu empfehlen sind.

Den Energiepass erhalten Sie kostenlos beim Energieberatungszentrum Bergstraße in Heppenheim, Telefon 06252/91 34 60, im Bereich Bensheim beim Energieberater der Stadt Bensheim, Herr Persch, Telefon 06251/14-280 oder bei den zuständigen Schornsteinfegern.

Energiesparberatung vor Ort

Eine noch ausführlichere Form der Beratung stellt die konkrete energietechnische Analyse eines Gebäudes vor Ort dar. Eine solche detaillierte und arbeitsaufwändige Untersuchung durch Ingenieure, die das Gebäude besichtigen und individuelle Modernisierungsvorschläge machen, gibt es natürlich nicht kostenlos. Da eine vernünftige und sparsame Energieverwendung aber auch im öffentlichen Interesse liegt, beteiligt sich der Staat an den Beratungskosten. Bei Gesamtkosten von maximal 850 Mark für ein Ein- oder Zweifamilienhaus gewährt das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) deshalb einen Zuschuss von bis zu 650 Mark. Die Antragstellung und Abwicklung übernimmt der Energieberater.

Eine Liste mit Ingenieuren, die in Ihrer Region eine "Vor-Ort-Beratung" vornehmen können, erhalten Sie kostenlos beim Bundesamt für Wirtschaft, Frankfurter Str. 29, 65760 Eschborn, Telefon 06196/ 404402 oder unter der Internet-Adresse www.rkw.de/online.htm.


Elektroheizungen - teuer und umweltbelastend

Heizen ist nicht gleich heizen. Auf verschiedenen Wegen können die eigenen vier Wände mit behaglicher Wärme erfüllt werden. Die herkömmliche Methode ist die Verbrennung von Holz, Kohle, Heizöl oder Erdgas mittels eines Brenners. Der erwärmt in einem Heizkessel Wasser für die Heizkörper und den Warmwasserspeicher.

Die ungünstigste Lösung, was Energieverbrauch und -kosten, aber auch den Kohlendioxidausstoß angeht, ist die mit elektrischem Strom betriebene Nachtspeicherheizung. Ursprünglich dienten Nachtspeicherheizungen einmal dazu, die Auslastung von Grundlastkraftwerken, das sind im wesentlichen Kohlekraftwerke und Kernkraftwerke, auch während der abnahmeschwachen Zeiten in der Nacht sicherzustellen. In Kraftwerke geht bei der Umwandlung der erzeugten Wärme in Strom im Schnitt zwei Drittel der erzeugten Energie verloren. Kühltürme neben den Kraftwerken sind Zeugen dieser Energieverluste.

Untersuchungen zeigen den eklatante Unterschied zwischen Elektroheizungen und verschiedenen Varianten von Erdgasheizungen. Bei Erdgas liegen die Wirkungsgrade durchschnittlich bei 80 Prozent bei Altkesseln und 100 Prozent bei neuen Brennwertkesseln. Im Vergleich dazu schneiden Elektroheizungen mit nur 30 bis 35 Prozent Wirkungsgrad unter allen Blickwinkeln, sowohl in punkto CO2-Ausstoß als auch hinsichtlich der Heizkosten, sehr schlecht ab.

Die Lösung liegt auf der Hand

Mit Strom nur noch dann heizen, wenn aufgrund der haustechnischen Gegebenheiten gar nichts anderes in Frage kommt. Dies gilt um so mehr, da die Strompreise in Zukunft voraussichtlich wieder anziehen werden. Strom ist eine sehr hochwertige Energieform, weil er sich in alle anderen Energieformen, also Bewegung, Wärme usw. umwandeln lässt. Aus der Sicht des heutigen Energiebewusstseins ist Elektrizität eine zu wertvolle Energie, um sie in Wärme umzuwandeln.

Es gibt aber auch noch andere Gründe von Elektroheizungen auf umweltfreundlichere Heiztechniken umzusteigen. Elektroheizungen wirbeln mehr Staub auf und dies kann die Schleimhäute reizen. Sehr alte Nachtspeichergeräte enthalten häufig noch Asbest. Die Asbestfasern können in die Atemluft gelangen und nach Jahren schwere Lungenerkrankungen hervorrufen, wenn die Geräte unfachmännisch geöffnet oder repariert werden. Daher dürfen asbesthaltige Nachtspeicherheizungen nicht mehr repariert und nach dem Ausbau nicht mehr erneut in den Verkehr gebracht werden.

Der Tipp: Investition lohnt sich schnell

Sollten Sie immer noch mit Strom heizen, überlegen Sie doch einmal, ob Sie nicht in eine umweltfreundlichere und langfristig kostengünstigere Heizungsanlage investieren wollen. Sicherlich sind die Investitionen zunächst einmal recht hoch, doch wird sich dieses "Minus" in der Kasse schon nach einigen Jahren in ein "Plus" verwandeln.


Mitarbeiter des Landratsamtes gehen mit gutem Beispiel voran: Errichtung einer Solarstromanlage in die Hand genommen

Kreis Bergstraße. 2500 Kilowattstunden (kWh) Strom pro Jahr wird die neue Fotovoltaikanlage produzieren, die im Dezember diesen Jahres auf dem Dach des Heppenheimer Landratsamtes in Betrieb genommen wird. Das entspricht dem jährlichen Stromverbrauch eines Dreipersonenhaushaltes. Die drei Mitarbeiter der Kreisverwaltung, Adam Schmitt, Harald Lehrian und Volker Döringer, haben sich zusammengeschlossen, um als Solarstrom Bergstraße GbR die Fotovoltaikanlage zu errichten. Mit Landrat Norbert Hofmann und dem ersten Kreisbeigeordneten Jürgen Lehmberg haben sie dazu einen Vertrag über die Dachflächennutzung geschlossen.

Die Finanzierung der 45000 Mark teuren Anlage wurde größtenteils über ein zinsgünstiges Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gesichert. "Einen kleineren Anteil müssen wir jedoch selbst beisteuern", so Harald Lehrian. Die drei Energieexperten des Kreises nehmen dies jedoch gern in Kauf. "Durch die Produktion des Solarstroms können wir jährlich knapp zwei Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) vermeiden," so Adam Schmitt.

Die Refinanzierung der Investition erfolgt durch die Einspeisung der gewonnenen Energie in das Stromnetz. Der Netzbetreiber, in diesem Fall die HEAG, muss den Betreibern pro eingespeister Kilowattstunde 99 Pfennige bezahlen. Rund 20 Jahre dauert es, bis sich die Geldanlage gelohnt hat.

Volker Döringer von der Betreibergemeinschaft begründet die Investition in die Zukunft mit dem Ziel, die erneuerbaren Energien auszubauen. "Wenn die Bundesregierung Kernkraftwerke innerhalb der nächsten Jahrzehnte stillegen will, müssen Alternativen her und wir wollen mit gutem Beispiel voran gehen," so Döringer.

Derzeit gewährt die Kreditanstalt für Wiederaufbau zinsgünstige Darlehen im Rahmen des „100 000-Dächer-Solarstrom-Programms" des Bundes für die Anschaffung und Installation privater Fotovoltaikanlagen. Zusätzlich gibt es die gesetzlich festgelegte Einspeisevergütung.

Der Kreis stellt kostenfrei Dachflächen kreiseigener Gebäude zur Verfügung, um interessierten Personen und Initiativen die Möglichkeit zu geben, dort Fortovoltaikanlagen zu errichten. „Nur durch derartige Anreize können wir die Gewinnung erneuerbarer Energien im Kreis zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern voranbringen", machte Landrat Norbert Hofmann abschließend deutlich.

Für Fragen zum Projekt steht Volker Döringer unter der Telefonnummer 06252/15-206 gerne zur Verfügung.


Energie aus Abfall senkt Müllgebühren: Größte Biogasanlage Südhessens steht in der KlimaschutzRegion

Kreis Bergstraße. Seit 1999 liefert die Vergärungsanlage der Abfallwirtschaft des Kreises Bergstraße Strom und Wärme aus selbst erzeugtem Biogas. Die betriebliche Optimierungsphase ist abgeschlossen, jetzt läuft die Anlage „auf vollen Touren," erläutert Erich Leinen, für die Kompostierung und Vergärung zuständiges Mitglied der Betriebsleitung. „Wir erzeugen pro Tonne angeliefertem Bio-Abfall Strom im Wert von ca. 35 Mark. Dieses Geld sparen die Bürger, weil sich die Verarbeitungskosten um diesen Betrag reduzieren, so Leinen. Aus Abfall Energie zu machen, das ist für den Diplom-Geographen eine faszinierende Herausforderung.

In Pflanzen gespeicherte Sonnenernergie für Bergsträßer Haushalte

In der Kompost- und Vergärungsanlage werden mehrere Stoffströme zu einem Stoffkreislauf geschlossen. Bio-Abfall kommt rein und Kompost, Strom und Wärme gehen raus. Die Pflanzenreste, die als Bio-Abfall zur Abfallwirtschaft kommen, hatten während ihres Lebens Kohlendioxid der Luft und Nährstoffe aus dem Boden mit Hilfe von Sonnenlicht in ihre Zellen eingebaut. In der Kompostierungsanlage werden sie wieder zu Kompost, der in den Boden eingearbeitet werden kann und zu Nähstoff für neue Pflanzen wird. Ein Teil der Pflanzenmasse wird in der Vergärungsanlage zu Biogas vergärt. In einem Blockheizkraftwerk wird daraus Wärme und Strom erzeugt. Aus der Sonnenenergie, die die Pflanzen zuvor für den Aufbau ihrer Zellen genutzt haben wird auf diese Weise Strom und Wärme für Haushalte, Gewerbebetriebe und sonstige Energieverbraucher.

Strom für 5 000 Menschen

Die Kläranlage in unmittelbarer Nachbarschaft nimmt die Wärme ab, die im Blockheizkraftwerk erzeugt wird. Der Strom, der nicht für den Eigenbetrieb gebraucht wird, geht ins Netz des Öko-Strom-Anbieters HEAG NaturPur. Mit dem Gas der Vergärungsanlage können 6,6 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugt werden, davon werden etwa 4 Millionen Kilowattstunden ins Netz eingespeist. Soviel Strom würde ausreichen, um eine Gemeinde mit 5 000 Einwohnern zu versorgen.

International angesehenes Vorzeigeprojekt

Mit den Dimensionen dieser Anlage betrat der Kreis Bergstraße Neuland. Sie ist die größte Trockenvergärungsanlage weit und breit. Bei der Planung für dieses Projekt konnte Erich Leinen also nicht ohne weiteres auf Erfahrungen aus anderen Vergärungsanlagen zurückgreifen. „Wir wollten ja keine Gülle vergären, sondern Bio-Abfall, da mussten wir weit fahren und trotzdem vieles neu konstruieren. In der französischen Schweiz sind wir fündig geworden. Mittlerweile sind wir in ganz Europa bekannt und viele Interessenten kommen zu uns, um zu sehen, wie es geht. Sogar eine Delegation aus Japan war schon hier."

Neben Bioabfällen werden, so Betriebsleiter Leinen, auch gewerbliche und industrielle Bioabfälle in der Vergärungsanlage verwertet. Er nennt beispielsweise Abfälle von Wochenmärkten, Speiseabfälle und Überschussware aus der Lebensmittelproduktion. Die Vorteile liegen auf der Hand: Abfälle, die vergärt und kompostiert werden, belegen keinen Deponieraum, verstopfen keine Müllverbrennungsanlagen und mindern den Verbrauch fossiler Energieträger.

Acht motivierte Mitarbeiter stehen Leinen zur Seite: zwei Ingenieure sowie Elektriker, Schlosser und Mechaniker. Sie arbeiten mit neuen Energietechnologien und Verfahrenstechniken und bilden sich ständig fachbezogen weiter. Nach Ansicht von Erich Leinen sind sie alle „Überzeugungstäter. "Sie arbeiten in einem zukunftsfähigen Betrieb, der ein wichtiges Element einer Kreislaufwirtschaft ist.


Umweltfreundlich heizen mit Holz

Mit 200 Gramm Holzpellets 10 Liter Wasser kochen

Bergstraße. Energie, die in Brennholz steckt, ist gespeicherte Sonnenenergie. Deshalb kann jeder, der mit Holz heizt, einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und die Sonnenenergie sinnvoll nutzen. Moderne Holzheizungen sind umweltfreundlich, weil bei der Verbrennung von Holz nur soviel Kohlendioxod (CO2) freigesetzt wird, wie durch die Bäume vorher gebunden wurde. Dies erklärte Diplom-Ingenieur Rigobert Zimpfer von der Energiegentur HessenENERGIE bei einem Vortrag in Bürstadt.

Die Kreisvolkshochschule Bergstraße hatte gemeinsam mit dem Brundtlandbüro für Klimaschutzmaßnahmen zu dem Informationsabend "Umwelt- freundlich heizen mit Holz" geladen. Zimpfer stellte den Teilnehmern die Vorteile und Einsatzmöglichkeiten verschiedener Holzheizungen vor. Des Weiteren ging er auf die Anforderungen an den Lagerraum, an den Schornstein sowie auf Wirtschafltichkeit, Kosten und finanzielle Förderungsmö0glichkeiten ein.

"80 Prozent der in privaten Haushalten verbrauchten Energie ist Raumwärme", erklärte Zimpfer. Er zeigte mit Hilfe der so genannten Fieberkurve der Erde, dass die atmosphärische Kohlendioxid-Konzentration immer weiter zunimmt. Als notwendige Reaktion steht für Zimpfer das Heizen mit Holz an erster Stelle.

Mehrere Angebote einholen

Die vier wesentlichen Hauptbrennstoffe sind Hackgut, Scheitholz, Pellets und Holzbriketts. Die Pellets sind laut Zimpfer allen anderen Holzbrennstoffen vorzuziehen, da sie bei ihrer Herstellung gepresst werden und einen höheren Energiegehalt als die anderen Brennstoffformen aufweisen. Die Energie von 20 Gramm Holzpellets kann zehn Liter Wasser zum Kochen bringen, man kann etwa vier Minuten damit duschen oder bei Minus zwölf Grad Außentemperatur eine Passivhaus ein halbe Stunde heizen. Außerdem erlauben Pellets eine sehr genaue Dosierung.

"Ob eine Holzfeuerungsanlage gut funktioniert, hängt in erster Linie vom Betreiber und seinem Wissen im Umgang mit dieser modernen Art zu heizen ab", erläuterte Zimpfer. Er zählte Merkmale einer guten Holzfeuerungsanlage wie zum Beispiel die Trennung der einzelnen Verbrennungssysteme und eine hohe Feuerraumtemperatur auf. Außerdem empfahl er den Gästen, sich nur an Unternehmen zu wenden, die bereits Erfahrungen in diesem Gebiete aufweisen. Auch das Einholen von mindestens drei Angeboten sei von Nöten. Zimpfer stellte verschiedene Arten von Öfen und Kesseln vor und nannte Richtwerte für deren Preise.

"Momentan erleben Pelletheizungen einen Boom in Deutschland", bemerkte Zimpfer. Diese Technologie komme aus Österreich und auf Grund der hohen Heizölpreise sei die Anzahl der produzierenden Firmen in Deutschland rasant gestiegen. So sind zum Beispiel Pellets mittlerweile nicht nur in Säcken, sondern auch über einen Silowagen - genau wie das Heizöl - erhältlich. Die Holzstückchen werden dann über einen Schlauch in den Keller eingeblasen. Gegen Ende seines Referats beklagte Zimpfer, dass es zu wenig Förderungsprogramme gebe. Für private Haushalte komme aber eine Förderung durch den Bund in Frage.

In der anschließenden Diskussion nutzten die Besucher die Möglichkeit, individuelle Fragen zu klären. Denn die meisten waren in der Planung schon weit voran geschritten und suchten lediglich letzte Ratschläge.


Studie zeigt Potenziale für erneuerbare Energien in der Region Rhein-Neckar

Region Rhein-Neckar. Jeder weiß es: die bisherigen konventionellen Energiequellen wie Öl, Kohle und Gas werden noch in diesem Jahrhundert zur Neige gehen. Grund genug für den Raumordnungsverband Rhein-Neckar eine Studie in Auftrag zu geben, um zu untersuchen, welche Potenziale für Erneuerbare Energien im Drei-Länder-Eck zwischen Odenwald und Pfälzer Wald bestehen, um diese Lücke in Zukunft zu füllen. Die wichtigsten Ergebnisse der Studie, die auch das Gebiet des Kreises Bergstraße einschließt, stellen wir Ihnen vor:

Vielfältige Potentiale in der Region

Die deutschlandweite Besonderheit der Rhein-Neckar-Region liegt darin, dass hier erhebliche Potenziale in allen Bereichen der Erneuerbaren Energien bestehen. Zu diesem positiven Urteil tragen laut IÖW die Vorzüge der sonnenverwöhnten Lage an der Bergstraße ebenso bei wie die Windbedingungen in den Hochlagen des Odenwalds. Die für die Wasserkraftnutzung gut geeigneten Fließgewässer am Neckar gehören genauso dazu wie die Möglichkeiten der Erdwärmenutzung in der Rheinebene.

In der Nutzung der Solarenergie liegen in der Rhein-Neckar-Region die größten Ausbaukapazitäten der Zukunft. Besonders die Wärmegewinnung aus Sonnenlicht , die sogenannte Solarthermie, kann bereits heute in vielen Fällen wirtschaftlich betrieben werden. Bisher wird sie aber nur in Bruchteilen ihres Potenzials genutzt. Auch die Stromgewinnung aus Sonnenenergie, auch Fotovoltaik genannt, ist seit der Einführung von staatlichen Förderprogrammen für Privatpersonen und gewerbliche Nutzer wirtschaftlich zu betreiben. Dennoch wird bei der Stromerzeugung in der Rhein-Neckar-Region wie auch im gesamten Bundesgebiet nur zu einem verschwindend kleinen Teil auf Solarstromanlagen zurückgegriffen. Mit der stetigen Verteuerung der konventionellen Energieträger wird die Solarenergie aber zukünftig eine stark zunehmende Bedeutung bekommen.

Auch im Bereich Bioenergie bestehen erhebliche ungenutzte Potenziale. Aufgrund des Waldreichtums in der Region kann von einem Potenzial an Energieholz ausgegangen werden, das für die Versorgung von über 30 000 Haushalten mit Heizwärme ausreichend wäre. Bisher verrottet ein Großteil davon im Wald oder landet als Holzabfall auf Deponien. Auch die Biogas-Nutzung oder der landwirtschaftliche Anbau von Energiepflanzen wie zum Beispiel Raps für "Biodiesel" gehören in diesen stark ausbaufähigen Sektor.

Die zunehmende Wirtschaftlichkeit der Windkraft wird eindrucksvoll durch die jüngst in der Region erbauten Anlagen bei Grünstadt im Pfälzer Wald oder die geplanten Anlagen im Odenwald bei Lautertal, Waldmichelbach und Lindenfels demonstriert. Die für einen Standort im Binnenland günstigen Windbedingungen könnten hier vermehrt zur Stromerzeugung genutzt werden, auch wenn Großanlagen nicht allerorts unkritisch gesehen werden. Dies gilt auch für die Wasserkraft, deren Nutzung in der Region auf der Grundlage des technischen Potenzials verdoppelt werden könnte.

Neben den Potenzialen geht die Studie des Raumordnungsverbandes auch auf mögliche Hemmnisse im Ausbau der Erneuerbaren Energien in der Rhein-Neckar-Region ein. Diese liegen vor allem im Landschafts- und Naturschutz, weshalb bei allen Planungen ein sorgfältiger und fairer Interessenausgleich gefordert ist.


Vogelzug zeigt Klimawandel: Warum eine Schwalbe bald keinen Sommer mehr macht

Manchmal sind es nur unscheinbare Zeichen, die auf große Veränderungen hinweisen. Eine neue Vogelart, die sich in der Gegend beobachten lässt? Ein afrikanischer Wüstengimpel in Andalusien? Nur wenige Jahre, nachdem der Wüstengimpel das erste Mal in Andalusien gesichtet worden war, wurde die Gegend von Almería zur ersten Vollwüste in Europa erklärt. Der Vogel hatte eine Entwicklung angezeigt, die für den normalen Menschen erst lange später sichtbar wurde.

Zugvögel, so wissen die Ornithologen, sind intelligent und äußerst lernfähig. Sie folgen den Änderungen der Umweltbedingungen. Wie die Mönchsgrasmücke. Sie speicherte innerhalb weniger Generationen völlig neue Flugrouten und Winterquartiere im Erbgut ab und wanderte statt nach Spanien oder Portugal ins neuerdings milde England. Die warmen Winter führen dazu, dass die Zugvögel sich immer später auf die Reise machen und früher zurückkommen. Manche Arten, wie Kiebitz, Singdrossel oder Star, die früher als Zugvögel galten, verzichten mittlerweile sogar ganz auf den Zug gen Süden und werden zu sogenannten "Standvögel". Anpassung ist der beste Weg zum Überleben.

Schwieriger wird das freilich für die Langstreckenflieger, deren angestammte Rastplätze durch den Klimawandel in Zukunft möglicherweise überschwemmt oder ausgedörrt sein werden. Außerdem machen ihnen die neuerdings sesshaften Arten bei ihrer Rückkunft die Brutplätze streitig. Möglicherweise, so vermuten die Wissenschaftler, werden auf der nördlichen Halbkugel die Vogelzüge früher oder später ganz ausbleiben. Spätestens dann macht eine Schwalbe sowieso keinen Sommer mehr aus, nicht einmal mehr einen Frühling.

Welche Folgen das für die Vogelarten Europas haben wird, darüber streiten sich die Experten noch. Sicher ist jedoch, dass die beste Form des Artenschutzes der Klimaschutz ist.


Klimawandel schädigt Landwirtschaft

Das globale Klima erwärmt sich. Für uns könnte das mehr Sonne im Sommer bedeuten, das wäre doch prima, oder? St. Tropez am Baggersee statt Last-Minute nach Mallorca? Und mit dem gesparten Flug sparen wir auch noch Kohlendioxid. Leider sind die Folgen des Klimawandels nicht so einfach zu beschreiben. Das „Mehr an Sonne" im Sommer ist nämlich gepaart mit stärkeren Stürmen und heftigeren Regenfällen im Winter. Diese vermehrten extremen Wetterereignisse machen den Land- und Forstwirten erheblich zu schaffen.

Der Osten und Norden Deutschlands ist stärker betroffen als der Süden

In einer Klimastudie für Sachsen prognostizieren Klimaforscher für die nächsten 50 Jahre einen deutlichen Temperaturanstieg, abnehmende Niederschläge und eine Zunahme der Sonnenscheindauer. Bereits im vergangenen Jahr mussten Sachsens Bauern Dürreschäden aufgrund ausbleibender Niederschläge im Mai und Juni hinnehmen.

Neue Schädlinge halten Einzug

Aber auch in Südhessen sind Land- und Forstwirte nicht vor Schäden gefeit. Die Stürme Lothar und Wiebke haben hier ihre Schneisen hinterlassen. Mitte der Neunziger Jahre gab es in Lampertheim eine Invasion von Schwammspinnerraupen, die in Deutschland bisher unbekannt war. Normalerweise sind die rot-blau bepunkteten Raupen im Mittelmeergebiet zu Hause. Bei besonders günstigen Klimabedingungen wie heiß-trockenen Sommern und milden Wintern neigt sie zur Massenvermehrung. Im warmen „Wein-Klima" der Bergstraße waren diese Bedingungen im Sommer 1994 gegeben. An einer einzigen Buche wurden 5 000 Gelege gefunden, rund 2 Millionen Eier. Eichen und Buchen fielen diesen Raupen durch kompletten Kahlfraß zum Opfer.